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2014NP P.d. Azucar – PanguipullikmKoordinaten/Uebern’ort/M.ü.M
27.10.2014/MoNP Pan de Azucar – La Serena618-29.953804S,-71.301723W/10
28.10.2014/DiLa Serena – Vina del Mar453-33.015046S,-71.557302W/10
29.10.2014/MiVina del Mar – Santiago d.Ch.92-33.330774S,-70.714058W/488
30.10.2014/DoSantiago d.Ch. – Molino/Rastpl.240-35.137585S,-71.362675W/229
31.10.2014/FrMolino – Mulchen337-37.713829S,-72.249123W/133
01.11.2014/SaMulchen0-37.713829S,-72.249123W/133
02.11.2014/SoMulchen – Lago Panguipulli290-39.642437S,-72.317989W/136


Wochenbericht  27.10.-02.11.2014 / NP Pan de Azucar/Chile – Lago Panguipulli
Grundsätzlich haben wir schon seit Antofagasta erwartet, dass es an der Küste neblig sein wird. Dem ist zum Glück nicht so. Bei traumhaftem Wetter fahren wir im Park Pan de Azucar vorbei an wunderbaren Sand- und Badestränden.




Auch die Küste nach Chanaral ist wunderbar. Ab Antofagasta wird an der No 5/Panamericana gebaut,  die Strasse wird auf 4 Spuren erweitert. Der Verkehr durch die Baustellen ist aber sehr gut organisiert und wir stehen höchstens einmal 5-10 Minuten. Vorerst fahren wir an Copiapo vorbei und sind uns dann noch wieder nicht so sicher, ob unser Diesel aus einem Tank bis nach La Serena reicht. Nochmals eine Geschichte mit den Dieseltanks! Sicherheitshalber kehren wir, füllen Tank I und wollen es dann auf Grund des Dieselstandes in beiden Tanks wissen, wie sich das ganze verhält. Fazit: Diesel wird nur dem Tank I entnommen, Tank II ist immer voll und bei der Anzeige übernimmt Tank II die Anzeige vom Tank I. So wollen wir in Santiago de Chile bei MAN einen „Besuch“ abstatten, um das Dieseltankproblem zu lösen und auch das lästige Pfeifen der Motorbremse eliminieren zu lassen.
In der Nähe von Copiapo wurden am 5. August 2010 bei einem Bergsturz 33 Minenarbeiter in der Kupfer- und Goldgrube San José verschüttet. Die spektakuläre Rettungsaktion sicherte Chile wochenlang Spitzenplätze in den internationalen Schlagzeilen zu. Nach 17 zermürbenden Tagen drangen zwei Sondierungsbohrungen in den Schacht vor, in dem man die Bergleute vermutete. Dann brachte ein Bohrkopf auf einem Zettel die überraschende, erlösende Nachricht nach oben: „Estamos bien en el refugio, los 33“ (uns 33 geht es gut im Schutzraum). Staatspräsident Sebastian Pinera persönlich las die Nachricht den Angehörigen und Journalisten vor, die in dem neben der Mine errichteten Camp Esperanza (Hoffnung) warteten. Wie durch ein Wunder hatten die Bergleute überlebt und wurden schliesslich am 13. Oktober, 69 Tage nach dem Unglück vor den Augen von 1700 Journalisten vor Ort und Millionen Fernsehzuschauern weltweit mit einer eigens konstruierten Rettungskapsel einer nach dem anderen wieder ans Tageslicht geholt. Präsident Pinera wiederum liess es sich nicht nehmen, jeden einzelnen zu begrüssen. Die 33 Mineros wurden als Helden gefeiert. Das „kleine“ Chile hatte der Welt ein halbes Jahr nach dem Erdbeben ein Reality-Drama mit glücklichem Ende beschert.  Beim Erdbeben der Stärke 8.8 und vor allem beim anschliessenden Tsunami starben am 27. Februar 2010 etwa 500 Menschen.


Einige Dutzend Kilometer vor La Serena ändert sich ganz langsam die Landschaft und es wird etwas grüner. Vermehrt Büsche an den Berghängen und viele blühende Sträucher und Blumen finden sich in den Ebenen. La Serena gefällt uns. Ein etwa 8 Kilometer langer Sandstrand liegt zwischen den beiden Städten La Serena und Coquimbo. Im Januar und Februar sollen sich diese Orte wenig von Benidorm an der Costa del Sol oder Rimini unterscheiden. Jetzt aber ist es ruhig und angenehm und die schöne Promenade fällt auf. Bei der Caleta de Pescadores (Fischerdorf) gibt es viele kleine Restaurants mit vorzüglichen Fischspezialitäten – das lassen wir uns nicht entgehen, einparken und bei Donde Elbita (wir können für die Nacht vor dem Restaurant, direkt am Strand stehen bleiben) ein herrliches Nachtessen geniessen, nicht zum ersten Mal hier in Chile.


Schon am Vortag haben wir den riesigen Lider (Wal Mart) bei der La Serena Shopping Mall gesehen und kaufen hier ein. Alles gibt es was das Herz begehrt. Zahlen kann man an einer der 48 Kassen!


Ab La Serena ist die Panamericana bereits als 4-spurige Autobahn ausgebaut und so kommen wir ganz zügig voran. Wir passieren wunderbare Strände, da die Strasse teilweise dem Meer entlang führt. Manche Gegenden ähneln sehr der Riviera, ausser dass bei Weitem nicht so viel verbaut ist. Erst wollten wir in Los Vilos übernachten. Das verlassene Nest sagt uns nicht wirklich zu und so entscheiden wir uns für Vina del Mar.


Die Stadt ist etwa genau so gross wie die Nachbarstadt Valparaiso, besitzt aber weder einen grossen Hafen noch Industrie – dafür Wohnpaläste, Parks, ein Spielkasino und einen schönen Sandstrand. Deswegen ist die Gartenstadt eines der beliebtesten Seebäder Chiles. Dank Nebensaison ist es hier für die Grösse der Stadt recht beschaulich und wir stellen Bob direkt am Meer an der Avenida Peru ab (bei den Playas leider Parkverbot für Casa Rodantes!) und machen uns auf einen kurzen Spaziergang. Obwohl unser Kühlschrank proppenvoll ist, können wir nicht wiederstehen: Wieder ein schönes Fischrestaurant und so nehmen wir das Nachtessen bei „Gerard“ ein  – das Essen wir immer besser!




Zeitig machen wir uns auf den Weg in Richtung Santiago de Chile. Vorgängig fahren wir noch durch Valparaiso.






Die Stadt zieht sich einem schmalen Uferstreifen entlang und dann die steil aufragenden Hügel hinauf. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam der Aufschwung. Es kam mit den Lastschiffen, die Waren aus Spanien brachten und Silber und Gold mit zurücknahmen, mit den Walfängern, die im Südpazifik ihrem Handwerk nachgingen; es kamen aber auch Piraten und Freibeuter auf der Suche nach reicher Beute. Schliesslich war Valparaiso der erste grössere Hafen, in dem man nach der Umsegelung von Kap Hoorn oder der gefährlichen Durchquerung der Magellanstrasse in Ruhe einige Tage verschnaufen konnte. So wundert es nicht, dass hier alle prominenten Forscher anlegten, die Südamerika umrundeten. Adalbert von Chamisso kam 1816, Charles Darwin 1833, und Mitte des 19. Jh. war Valparaiso längst zu einem wichtigen internationalen Hafen geworden. Regelmässig verkehrten Güterschiffe von hier aus in alle wichtigen Häfen der Welt, und die Reederei Hamburg-Süd liess 1873 sogar einen Schnelldampfer namens „Valaparaiso“ bauen. 1906 verwüstete ein schweres Erdbeben die Stadt – 6000 Menschen starben in den Trümmern. Kaum hatte sich Valparaiso erholt folgte der nächste Rückschlag: 1914 wurde der Panamakanal eröffnet und Valparaiso war damit schlagartig von den internationalen Handelsrouten abgenabelt. Erst in den 1980er Jahren änderte sich das wieder. Chiles exportorientierte Wirtschaft wuchs und damit auch Valparaisos Hafen. Und es kamen die Kreuzfahrtschiffe, jedes Jahr mehr und grössere. Rund 50 dieser schwimmenden Riesenhotels legen pro Saison hier an und bringen über 120.000 Touristen in die Stadt. Bis Santiago de Chile sind es gut 100 Kilometer (Autobahn). Eine tolle Fahrt durch Wälder (haben wir schon lange, lange keine mehr gesehen) und das Weingebiet von Casablanca – Grüne Landschaft, herrlich!


Unser Navi bringt uns zielgenau zu MAN an der Routa 5 Norte (-33.330774S,-70.714058W). Hier werden wir nett empfangen, unsere Probleme werden diskutiert und nun warten wir auf die Reparatur! Bald heisst es: heute geht nichts mehr, aber morgen bestimmt und wir werden morgen auch weiterfahren können. So verbringen wir wieder einmal eine Nacht auf einem MAN-Gelände. Das Gelände übrigens ist um einiges grösser als in Lima und es scheint auch nochmals ein „Tick“ professioneller zu sein.
Es wird erst um 08.30 Uhr angefangen zu arbeiten. Samuel der Mechaniker macht einen sehr guten Eindruck und gleich nach der Einfahrt in die Halle wird die Kabine gekippt. Das Problem mit dem Pfeifen der Motorbremse wird angegangen. Bald wird festgestellt, dass das alte Problem mit dem Turbokanal nicht zu 100 % behoben werden konnte und das Pfeifen verursacht. Das Diagnosegerät wird noch angehängt, alles am Motor geprüft und auch nach der Konsultation mit dem Chef wird uns mitgeteilt, dass wir mit dem Geräusch „leben sollen“.


Keine tragische Sache, das Problem könne bei unserer Rückkehr nach Europa erledigt werden. Hoffen wir nur, dass Bob wie bis anhin das Pfeifen nicht jeden Tag von sich gibt und dass die Prognose richtig ist. Dann geht es an den Tank. Freudestrahlend kommt Samuel nach ein paar Minuten mit der Mitteilung, dass lediglich eine Sicherung durchgebrannt sei und deshalb das Umstellen auf den Tank II nicht klappt. „Que tonto soy“ meint Ernest – hätten wir doch auch einmal kontrollieren können. Dann werden noch die Batterien kontrolliert und neu befestigt. Die Ursache des hie und da auftretenden Geklappers ist somit auch geklärt und gehoben. Kurz vor Mittag verlassen wir das MAN-Gelände. Für die ganze Arbeit haben wir ca. 150.- USDollar bezahlt. Bereits bei der Durchfahrt auf der Carretera Central stellt Ernest fest, dass die Tankanzeige wieder nicht tut. Da wir das Problem aber im Griff haben und sicher nicht wieder mit zu wenig Diesel fahren, kehren wir nicht um und wollen später kontrollieren, ob schon wieder eine Sicherung defekt ist. Sehr zügig fahren wir durch Santiago auf der Carretera 5 (Panamericana) in Richtung Süden und gelangen bald einmal in den „Obst- und Weingarten“ von Chile.




Die zentrale Ebene zwischen Küstenkordillere und den Andengipfeln ist das wichtigste Anbaugebiet des Landes – stundenlang dasselbe Panorama: Obstplantage, Reben, Obst und Wein, Wein und Obst und dahinter die schneebedeckten Gipfel der Andenkette. Für uns ein herrliches Bild nach all den vielen Wüstengegenden. Bei Curico wollen wir versuchen, auf dem Parkplatz eines Weingutes zu übernachten. Leider wollen die uns weder bei der Bodega Miguel Torres noch bei der Vina San Pedro übernachten lassen. So kaufen wir lediglich Wein und fahren weiter bis zum nächsten Rastplatz und bleiben dort für die Nacht. Der überaus nette und freundliche Parkplatzwärter Enrique beschenkt uns schon am Abend reichlich mit Chirimoyas und gibt uns auch gleich noch ein Rezept für einen „Fröhlichen Abend“ (1 Liter Wein, Fruchtfleisch einer grossen Chirimoya pürieren und etwas Zucker dazu, fertig ist das Wundergetränk) – mal sehen. Wir schenken ihm noch eine Schokolade, die verdrückt er innerhalb von Minuten. Der Platz ist zwar die ganze Nacht sehr „lebendig“. Es ist Feiertagswochenende und viele Chilenen fahren ans Meer, machen hier Pause und spielen mit ihren (bellenden) Hunden oder mit ihren schreienden Kindern die ganze Nacht durch.
Bevor wir abfahren, taucht Enrique wieder auf. Er beschenkt uns mit einem Dutzend Eiern von seinen eigenen Hühnern und einem Sack voll Avocados. Wir sind sehr gerührt ab der Herzlichkeit der Chilenos. Wir revanchieren uns mit einem Sackmesser. Ja, wir „geben Gas“ und lassen sicher die eine oder andere Sehenswürdigkeit oder den einen oder anderen Park links oder rechts der Panamericana „liegen“. Unsere Zeit eilt etwas und wir möchten im Süden noch einiges besichtigen. So geht es vorbei an Chillan und Los Angeles bis nach Mulchen. Diese Ausfahrt wählen wir ganz zufällig, weil wir eine Reklametafel eines Hotels gesehen haben und Ernest wieder einmal Hunger hat. Gleich bei der Einfahrt des Städtchens überqueren wir einen hübschen kleinen Fluss und entdecken einen Park am Ufer  neben einer kleineren Rodeo-Arena. Hier wird parkiert und das (hauseigene!) Mittagessen eingenommen. An der Rodeo-Arena wird „gewerkelt“ und nach kurzer Abklärung stellt sich heraus, dass in den nächsten zwei Tagen Festlichkeiten mit Rodeo angesagt sind. Keine Frage: wir bleiben und wollen uns ein Chilenisches Rodeo nicht entgehen lassen. Es ist ein herrlicher Platz mit vielen grossen Bäumen, dem gemächlichen kleinen Fluss und das Wetter könnte nicht besser sein – strahlend blauer Himmel.




Bereits um 8 Uhr am Morgen beginnt der „Wettkampf“, es gibt verschiedene Arten von „Chilenischen Rodeos“. Für jede Übung werden Punkte vergeben. Eine Variante ist, eine Art Dressurprüfung. Schrittgang mit losem Zügel, angaloppieren aus dem Stand mit anschliessendem Galopp durch die ganze Arena, und dieser Galopp muss mit einem direkten stillstand und einer Wende auf den Hinterbeinen enden, der nächste Galopp muss direkt folgen. Wenn das Pferd richtig aufgedreht ist, muss es stillstehen. Stillstehen, während der Reiter absteigt, einige Schritte macht, wartet und wieder zum Pferd zurückkommt – die ganze Zeit stillstehen, ohne auch nur mit einem Huf zu zucken.


Was wir sehen ist folgendes: Je zwei Reiter versuchen ein Kalb nur mit dem Pferd, ohne Peitsche oder Lasso, ein einen bestimmten Punkt in der Arena zu treiben. Die beiden Reiter müssen schnell und sicher mit Ihren Pferden umgehen und gut zusammenarbeiten: während der eine das Kalb nach vorne treibt, muss der andere versuchen, ihn schräg an den festgelegten Punkt an der halbmondförmigen Einzäunung zu drängen – alles im Galopp. So wissen wir nun auch, weshalb einige Reiter heute früh in rasanter Geschwindigkeit seitwärts über den Platz geritten sind, sie haben eben geübt. Wir wissen nun auch, weshalb in ganz Südamerika immer wieder seitlich geritten wird – die Rinder werden so abgedrängt.




Eine weitere Variante ist, dass das Kalb bei einem bestimmten Punkt in der Arena hingelegt werden muss, ebenfalls ohne Lasso und Peitsche – in erster Linie muss das Pferd dies erledigen. Es gibt Punkte für Stil und Aussehen. Der breitkrempige Hut darf natürlich nicht runterfallen, das weisse Hemd und der Poncho dürfen nicht verdrecken, die Stiefel werden vorher sauber geputzt und die Sporen (alles „Rädersporen“) poliert.


Auch darf  nicht brutal mit den Pferden oder dem Kalb umgegangen werden – Eleganz wird mit Pluspunkten belohnt. Die Sieger sind Helden – bei lokalen Rodeos für den Tag in ihren Dörfern, beim landesweiten Rodeo von Rancagua in ganz Chile. Wir lernen auch, dass Chile ein straffes Tierschutzgesetz hat und Stierkämpfe absolut verboten sind.




Gleich neben der Arena sind auch Verkaufsstände aufgebaut worden. Hier wird wunderbares handgearbeitetes Sattel und Zaumzeug für die Pferde dargeboten. Auch die breitkrempigen Hüte werden hier vor Ort mittels Formen und auf Grund der Kopfgrösse des Käufers hergestellt. Schuhe, Ponchos, Lederwaren, Seile usw. können ebenfalls erworben werden. Die Preise sind überraschend hoch.


Der ganze Tag herrscht ein reges Treiben bei wunderschönem Wetter und angenehmer Chilenischer Musik. Ein unvorhergesehener toller Ruhetag.






Am nächsten Tag beginnt das Spektakel bereits wieder um 7 Uhr und viele Reiter sind schon im Einsatz. So verlassen wir früh am Morgen das Gelände, damit wir von den Fahrzeugen der Sonntagsbesucher des Rodeos nicht blockiert werden. Auf der Panamericana geht es bei sehr geringen Verkehr durch Wälder und Landwirtschaftsgebiet. Der Ginster und der Raps blühen, man könnte meinen, durch Frankreich zu fahren.


Kurz nach Tremuco, der Hauptstadt der Region La Araucania und der fünftgrössten Stadt des Landes, verlassen wir die Hauptstrasse und fahren in Richtung Villarica, am gleichnamigen See. In unserem Führer steht geschrieben, dass die Stadt ein unansehnlicher Ort wie eh und je ist. Dem können wir nicht zustimmen. Obwohl heute die meisten Läden geschlossen sind und sicher nicht viel Betrieb herrscht, erinnert uns das Städtchen eher an eine amerikanische Kleinstadt, sehr ordentlich und sauber und mit einer schönen Strandpromenade. 1552 gründeten die Spanier hier eine Stadt als Handelsstation. Diese wurde jahrzehntelang immer wieder von den Mapuche angegriffen und 1602 vollständig zerstört. Fast 300 Jahre siedelte hier niemand mehr an. Deutsche Auswanderer bauten dann die ersten Häuser, der Boom kam aber erst mit dem Beginn des Tourismus in den 1980er Jahren. Heute werden für ufernahe Grundstücke Spitzenpreise bezahlt. Dass Deutsche hier angesiedelt haben, erkennt man immer noch an den Deutschen Namen von Kaffees, Restaurants und diversen Strassennamen. Wir stossen auf das Café Sweet und können nicht widerstehen – Cappuchino und Kuchen am schön wärmenden offenen Feuer. Draussen hat es angefangen zu regnen, innen ist es sehr kuschelig  warm. Es ist hier Frühling, teilweise fast noch Vorfrühling und noch nicht alle Bäume stehen im vollen Laub. Weiter geht es durch schönes Farmland mit viel Viehbestand (alle sehr, sehr wohlgenährt) zum Lago Calafquen und Lago Panguipulli.


Zwischendurch hört der Regen auf und die umliegenden Vulkane zeigen sich kurz. Am Lago Panguipulli, gleich neben dem schönen Sandstrand bleiben wir und geniessen zum Nachtessen frisch geräucherten Lachs mit Avocado und frischen Brötchen vom Beck.



Kurzgeschichte 20/2014 – Zahlstellen in Chile
Zahlstellen auf der Panamericana sind nicht selten und gehen, je nach dem, in welche „Kategorie“ wir eingeteilt werden, ganz schön ins Geld. Wenn ich unsere Belege zusammen zähle, komme ich auf umgerechnet etwa CHF 100.- seit einer Woche. Ernest macht sich wieder einmal einen Spass daraus „zu verhandeln“. So kommt es auch, dass wir von Kategorie 2 (Auto)  bis 5 (schwerer Lastwagen) schon jeden Betrag bezahlt haben. Allerdings muss ich gestehen, dass er es nicht jedes Mal darauf abkommen lässt, eine Warteschlange hinter sich aufbauen zu lassen, je nach Lust und Laune fühlt er sich in Verhandlungslaune, oder eben auch nicht. Grundsätzlich wird er aber zunehmend etwas mehr „mellow“, freut sich aber auch jedes Mal wieder und ist ganz stolz, wenn nur Tarif 2 bezahlt werden musste und meint dann trocken: schon wieder zwei „Cervezas“ gratis!


2014L.Panguipulli – HornopirenkmKoordinaten/Uebern’ort/M.ü.M
03.11.2014/Mo  Panguipulli - Pucon90-39.278000S,-71.979140W/193
04.11.2014/DiPucon/CL–S.Mart.d.l. Andes/A188-40.159598S,-71.360281W/653
05.11.2014/MiS.Martin d.L.Andes – Bariloche201-41.132812S,-71.313629W/835
06.11.2014/DoBariloche/A–Frutillar/Llanqu./C291-41.136700S,-73.027168W/50
07.11.2014/FrFrutillar – Puerto Montt75-41.475429S,-72.947226W/10
08.11.2014/SaPuerto Montt0-41.475208S,-72.947225W/20
09.11.2014/SoPuerto Montt – Hornopiren112-41.971711S,-72.473306W/11


Wochenbericht  03.-09.11.2014 / Lagos/Lago Panguipulli - Hornopiren
Nochmals geht es durch Landwirtschaftsgebiet erst nach Villarrica und dann weiter dem Lago Villarrica entlang bis Pucon.


Der Ort Pucon, eine Kleinstadt mit ca. 14000 Einwohnern ist eines der Zentren des internationalen Tourismus in Chile. In den Sommermonaten Januar bis März soll hier die „Post abgehen“. Dann viermieten die ansässigen Familien auch noch die Kinderzimmer, die Preise klettern in die Höhe und täglich 200 Leute auf den Vulkan. In den Bars, am Strand und auf den Strassen soll es hoch zu und her gehen. Heute ist es hier ruhig und beschaulich, etwas zum Geniessen. Pucon verdankt seinen Aufschwung der einzigartigen Lage am Ostufer des Lago Villarrica, direkt zu Füssen des ewig rauchenden und nachts glühenden Vulkans Villarrica. Das Stadtzentrum besteht aus einem Dutzend Strassen, wobei die Hauptstrasse mit den meisten Geschäften die schöne Avenida O’Higgins ist. In diversen Nebenstrassen befinden sich viele Kaffees und Restaurants. Pucon hat sich mit klaren Bau- und Werbevorschriften ein schmuckes, einheitliches Stadtbild bewahrt. So dürfen z.B. die Geschäfte nur mit Holzschildern werben. An der Strandpromenade finden wir einen tollen Parkplatz und machen uns mit Computer auf zu einem Spaziergang und anschliessendem längeren Aufenthalt in einem Kaffee. Endlich, nach 4 Wochen Rückstand kann ich die Internetseite aktualisieren. Auch der vor einiger Zeit gekaufte Datastick für den Computer kann mit Hilfe eines kompetenten IT-Fachmannes endlich in Betrieb genommen werden (nur leider gehen mit dem Stick keine Mails vom Computer aus weg). Immer wieder regnet es und am Abend recht ergiebig.
Was für ein Anblick heute Morgen.




Blauer Himmel und in direkter Sichtweite vom Bob aus zu sehen ist der Vulkan Villarrica. Der ebenmässige Konus, zur jetzigen Zeit noch total schneebedeckt, die kleine Rauchwolke, die sich aus ihm herauskringelt ist schon ein toller Anblick. Wir machen uns auf den Weg in Richtung Argentinien. Kurz nach Curarrehue stehen wir vor einer Abschrankung. Die Strasse sei zu bis Morgen 11 Uhr. Zum Glück stellt sich dies als ein Missverständnis heraus, die Strasse öffnet heute um 11 Uhr wieder. Das heisst etwa 1 ½ Stunden Wartezeit – wir sind erleichtert. Ernest macht ein Nickerchen, ich spreche mit einem Bauarbeiter. Er ist Angestellter einer Firma in der Umgebung, sein Chef sei ein Schweizer namens Spillmann und ein weiterer Firmeninhaber in der Umgebung sei Rene Meier. Schweizer gibt es wahrlich überall. An der Passstrasse wird gebaut und so fahren wir in gemächlichem Tempo hinauf zum Pass Tromen. Bald sichten wir einen weiteren imposanten Vulkan, den Lanin.


Er gilt als einer der schönsten Berge der Welt und ist 3776 m hoch. Der Vulkan Lanin ist der zentrale Punkt des 412000 ha grossen Nationalparks, welcher 1937 zum Schutz des Patagonischen Waldes eingerichtet wurde. Bald bekommen wir auch die speziellen Araukarien zu Gesicht. Diese geben zusammen mit dem Lanin ein herrliches Fotomotiv ab.


Die Zollabfertigung geht zügig von statten. An der Argentinischen Grenze allerding werden uns alles Gemüse und alle Früchte weggenommen. Grundsätzlich wussten wir, dass eine Einfuhr nicht möglich ist, dass es aber doch so rigoros kontrolliert wurde (war ein äusserst netter Beamter) hat uns doch überrascht. Ein kleiner Andenfuchs schleicht um den Parkplatz.


Kann sein, dass er jeweils von den konfiszierten Lebensmitteln etwas abbekommt.


Kurz nach der Grenze ändert sich das Landschaftsbild wieder. Vorerst passieren wir eine etwas kargere Hochebene mit vielen abgestorbenen Bäumen. Das Städtchen Junin de los Andes wird als nationale Hauptstadt der Forelle betitelt und liegt bereits wieder inmitten bewaldeter Berge. Das Gebirgsstädtchen San Martin de los Andes liegt am Ostufer des Lago Lacar und ist ein wichtiger Ort für den Wintersport. Ein hübsches, aufgeräumtes, sauberes und sympathisches Städtchen an traumhafter Lage.


Bei wiederum wunderschönem Wetter verlassen wir San Martin und durchqueren eine fantastische Bergwelt mit vielen kleinen Lagunen und schneebedeckten Bergen auf gut ausgebauter Strasse – der Strasse der „Sieben Seen“. In Wirklichkeit berührt man auf der Route mehr als sieben Seen, viele von ihnen sind durch Flüsse miteinander verbunden.


An den Ufern finden sich immer wieder Aussichtspunkte und Zeltplätze auch für Wohnmobile geeignet. In Villa Angostura sind viele Hotellanlagen am Ufer des Sees erbaut worden, allesamt im Chaletstil und hübsch anzusehen. Auf der ganzen Strecke gibt es auffallend viele gelb blühende Ginster, was das Landschaftsbild noch attraktiver macht.


San Carlos de Bariloche haben wir uns etwas anders vorgestellt. Bariloche mit seinen etwa 200.000 Einwohnern ist eine Stadt am Ostufer des grossen Nahuel-Huapi-Sees gelegen und wahrlich nicht sehr attraktiv, zumindest nicht im Sommer. Ausser einer Einkaufsstrasse mit vielen Sport- und vorallem Schokoladengeschäften und dem Centro Civico ist nicht viel zu sehen.


Im Winter allerdings, ist Bariloche eines der wichtigsten Skizentren der Anden, hier werden auch Skirennen durchgeführt. Die Stadt und die Umgebung wird auch die „Schweiz Argentiniens“ genannt. So gibt es hier auch ein Hotel „Edelweiss“, „Interlaken“ und „Tirol“ und auf jeder Speisekarte steht das Käse- oder Schokoladenfondue.


Schon im Laufe des Nachmittages fängt es so richtig an zu blasen. Wir stehen direkt auf einem Parkplatz am Ufer des Sees und bekommen zum ersten Mal den heftigen patagonischen Wind zu spüren. Zeitweise hat man im Bob das Gefühl auf See zu sein, so hin- und hergeschüttelt werden wird. Das erste wunderbare Argentinische Rib Eye geniessen wir bei „Alberto“.




Kaum sind wir wieder „zu Hause“ fängt es auch noch an zu regnen und zwar heftig.  
Am Vormittag verziehen sich langsam die Wolken und nachdem wir unsere Wäsche in der Wäscherei abgeholt haben, geht es wieder in Richtung Chile. Der Wind bläst heftig und die vielen Wolken in den Bergen lässt auf Schneefall schliessen. Nochmals vorbei an Villa Angostura und in Richtung Paso Cardenal Samora. Hier sind noch die Spuren eines Vulkanausbruches gut sichtbar.


Über mehrere Kilometer liegt neben der Strasse noch einige Zentimeter weisse/graue Asche. Die Grenzen zwischen Argentinien und Chile liegen 39 Kilometer auseinander. Die Ausreise aus Argentinien ist in 10 Minuten geschafft. Dann geht es hoch auf den 1308 m hohen Pass, leider bei Regen. Oben auf dem Pass liegt noch oder wieder Schnee, allerdings nicht auf der Strasse


Die Einreise in Chile geht auch schnell vonstatten, ausser, dass wir einen extrem pingeligen Beamten der Lebensmittelkontrolle erwischt haben. Der nimmt uns doch auch den feinen Saronnoschinken, den gekochten Schinken und andere abgepackte Ware wie z.B. Käse weg. Bei der Einreise in San Pedro und nach Argentinien haben die uns das gelassen. Zudem muss er jede Klappe und jedes Kästchen öffnen und auch in den Kleidern wühlen. Hat mich extrem genervt dieser Typ. Auch gefragt hat er, ob wir Waffen mit uns führen. Natürlich nicht, ausser eine Machete (hat er gesehen und nicht konfisziert!), Bärenspray und Pfefferspray – hat er aber nicht gesehen. Von Entre dos Lagos nehmen wir eine Abkürzung via Lago Rupanco nach Puerto Octay und weiter nach Frutillar Bajo, einem hübschen Ort am Lago Llanquihue. Der Ort hat etwas von einem Freilichtmuseum und auch hier gibt es zahlreiche Kaffees und Restaurants mit Deutschen Namen.


Die neuste Attraktion ist das Teatro del Lago, welches 2010 fertiggestellt wurde. Das Kulturzentrum wartet auf mit einem ultramodernen Konzertsaal für 1200 Besucher und ist mit Naturholz und Kupfer verkleidet. Hier finden das ganze Jahr über Konzerte und Veranstaltungen statt. Das Theater ist auch Zentrum der seit 40 Jahren stattfindenden „Semanas Musicales de Frutillar“. Das Festival klassischer Musik in der letzten Januar- und der ersten Februarwoche ist das grösste kulturelle Ereignis Südchiles und vereint junge Talente aus aller Welt.




Leider ist das Wetter heute den ganzen Tag regnerisch, ab morgen soll es besser werden – hoffen wir.
Alle guten Dinge sind drei – nur heute leider nicht. Das Wetter ist zwar schön, aber in Richtung Volcano Osorno ist es bewölkt und wir sehen also den dritten Zuckerhut-Vulkan leider nicht. Auch der weitere Vulkan Calbuco bleibt hinter den Wolken versteckt. Der Llanquihue-See (spanisch Lago Llanquihue) ist mit 877 km² der zweitgrößte See Chiles (Bodensees 536 km²). 1552 entdeckt Pedro de Valdivia den See. 1558 erreichten der Schriftsteller Alonso de Ercilla y Zúñiga und der Gouverneur von Chile García Hurtado de Mendoza das Seeufer erneut. Die ersten Einwanderer kamen ab 1853 an den See. Zuvor hatte der Deutsche Bernhard Eunom Philippi (1811–1852) im Jahre 1842 die Gegend um den See erforscht. Die chilenische Regierung lud weitere deutsche Einwanderer zur Besiedlung dieser Gegend ein. Nachdem in Deutschland 1848 die Märzrevolution gescheitert war, kamen einige tausend Deutsche in die Gegend. Sie gründeten 1853 Puerto Montt und siedelten sich in den Städten Llanquihue, Frutillar und Puerto Varas, El Maiten und Puerto Octay an. Zwischen 1856 und 1860 siedelten sich 54 protestantische Glaubensflüchtlinge aus dem niederschlesischen Zillertal-Erdmannsdorf, die Zillertaler Inklinanten, am Llanquihue-See an. Die Städte sind heute noch deutsch geprägt mit vielen deutschen Bauten des 19. Jahrhunderts und zahlreichen Kulturveranstaltungen. Unser Frühstück gibt es im Hotel Rose am See! Puerto Varas, benannt nach Antonio Varas, der Mitte des 19. Jh die deutsche Einwanderung gefördert hatte, ist eine kleinere Stadt mit 24.000 Einwohnern und lebt vor allem vom Tourismus. Zahlreiche Hotels säumen die Bucht von Puerto Varas. Die Hauptstadt der Region de Los Lagos ist Puerto Montt. Sie lebt hauptsächlich von der Lachs- und Muschelzucht in der Region und von ihrem Hafen.


Hier legen nicht nur Fischerboote und Fährschiffe an und ab, die durch Fjorde und Kanäle nach Patagonien fahren, hier liegen auch grosse, meistens ostasiatische Schiffe, die tonnenweise mit Holzschnitzeln beladen werden. Nachschub von geschreddertem Wald für Zellulosefabriken! Den Fischereihafen in Angelmo haben wir um die Mittagszeit besucht.


Hier gibt es zahlreiche kleine Restaurants in deren Töpfe Curantos: dicke Suppen mit Fisch und Meeresfrüchten, mit Fleisch und Kartoffeln schmoren. Kunsthandwerkstände gibt es ebenfalls sehr viele, sie bieten Berge von dicken, gestrickten Pullovern, Mützen, Handschuhen, Socken, Wolle usw. an.


Interessant sind die Stände, die auch Lebensmittel verkaufen: Allem voran frischer Fisch, frische Muscheln und Krebse, frischen Käse, Honig, aber auch getrocknete Muscheln und Algen.


Bei Navimar besorgen wir uns noch eine Fahrkarte für die Fähre von Hornepiren nach Fiordo Largo an der Carretera Austral. Samstag/Sonntag ist bereits ausgebucht, wir können erst am Montag fahren. Mitten in der Stadt finden wir am Ufer der Bucht de Reloncavi oder Bahia de Puerto Montt einen Parkplatz. Kurz vor dem Einnachten zeigt sich in der Ferne doch noch der mächtige Volcano Calbuco (2015m) im Abendlicht.
Da das Wetter immer noch trüb ist, bleiben wir noch einen Tag in Puerto Montt und verbringen die Zeit auf Internet (im HolidayInnExpress) und in der Shopping Mall. Ich habe (letzte) Gelegenheit noch einige Weihnachtsgeschenke zu besorgen.


Am Abend gibt es im Bob „Osso Bucco“ und Kartoffelstock. Dann noch ein wenig stricken. Ernest liest im Buch „América“ von T.C. Boyle.
In Puerto Montt beginnt bereits die legendäre Carrera Austral Ruta CH-7, früher auch Carretera Presidente Pinochet genannt. Die 1350 Kilometer lange Strasse führt südwärts (Austral) bis nach Villa O’Higgins. Siehe Kurzgeschichte. Die Strasse von Puerto Montt bis nach La Arena ist bereits gut ausgebaut und geteert. Hier starten wir zur ersten Fährüberfahrt über die Bucht von Reloncavi. Bald zeigen sich in der Ferne die ersten schneebedeckten Vulkane und Berge. Die Überfahrt dauert etwa 45 Minuten, die See ist sehr ruhig und das Fährschiff sehr vertrauenserweckend.




Die Strasse bis fast nach Galaihue ist ebenfalls bereits geteert. Am weiteren Streckenabschnitt bis Hornopiren wird gebaut (auch sonntags) und diese wird in spätestens einem Jahr ebenfalls durchgehend geteert sein. In Hornopiren entdeckt Ernest ein nettes Restaurant – er hat wirklich ein Auge dafür! Hier gibt es wieder Lachs und ein Crevettengericht. Dann machen wir uns auf die Suche von Wasser, was sich als nicht ganz einfach herausstellt. An der Tankstelle hat es zwar einen Wasseranschluss, der Druck ist aber so gering, dass das Wasser nicht einmal unseren Schlauch füllen mag. Dann weiter zu den Bomberos. Hier zeigt sich keiner, haben wohl Siesta oder warten irgendwo, bis es irgendeinmal brennt. Dann zur Polizei und hier werden wir fündig. Zwei nette Polizisten helfen uns, unseren 400L Tank zu füllen. Als kleines Geschenk unsererseits gibt es eine Flasche Wein, eine kleine Schachtel After Eight und Kugelschreiber. Wir betonen, dass dies ein „Regalo“, Geschenk ist und keine Bestechung. Einen Polizisten in Chile oder Argentinien zu bestechen ist ein absolutes „no go“ und wird mit Gefängnis geahndet.


Gleich beim Fischerhafen finden wir einen netten Stellplatz und geniessen einen wunderbaren Blick auf die Bucht und die umliegenden Berge.  



Kurzgeschichte 21/2014 – Carretera Austral Ruta CH-7
Die 1350 Kilometer lange Strasse führt südwärts (Austral) bis nach Villa O’Higgins. Der Bau der Strasse ist noch nicht vollendet. Lange Zeit war der Süden Chiles nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Der Panamericana-Highway führte nicht durch diese unwegsame Gegend, sondern über Argentinien nach Feuerland. Der Grund liegt in der dichten Bewaldung des Gebietes in Chile. Im sehr kargen argentinischen Patagonien hingegen war sie weitaus leichter zu bebauen. Im Jahre 1976 begannen unter Diktator Augusto Pinochet die Bauarbeiten an einer Strasse durch den Süden. Die Carretera Austral bildete das aufwendigste Grossprojekt Chile im 20. Jh. Ausgangspunkt für den Bau war die Stadt Puerto Montt. Mehr als 10.000 Soldaten wurden zeitweise für den Bau eingesetzt. Der Strassenbau erwies sich als äusserst schwierig, da die Landschaft von Fjorden, Gletschern und Gebirgszügen durchzogen ist. Mehr als 20 Jahre wurde an der Strasse gebaut. Die reine Nord-Süd-Route erwies sich als technisch unmöglich. So führen rund 1150 km von Norden nach Süden und rund 229 km von West nach Ost. Der Bau kostete rund 200 Millionen US-Dollar. Trotzdem sind anscheinend weite Teile nur einfach Schotterpisten, die Wartung und Pflege erweist sich ebenfalls als aufwändig. Um die Lücke der Carretera 7 zwischen der Region de Magallanes y de la Antartica Chilena und dem Rest Chiles langfristig zu schliessen, führt das militärische Baukommando Cuerpo Militar de Trabajo trotz sehr schwierigen Terrains den Bau des fehlenden Teilstücks fort. Dieses soll westlich des Campo de Hielo Sur paralell zum Messier-Kanal verlaufen. Aktuell wird an zwei Teilstücken zwischen Rio Bravo und dem Jorge-Montt-Gletscher  im Norden sowie zwischen Puerto Natales und dem Stanley-Fjord im Süden gearbeitet. Für die 935 fehlenden Kilometer sind 25 bis 30 Jahre Bauzeit veranschlagt. Der Plan geht von neun Fährverbindungen wegen des von Fjorden zerklüfteten Terrains aus.



2014Hornopiren – Chalten/FitzroyKMKoordinaten/Uebern’ort/M.ü.M
10.11.2014/MoHornopiren – Fähre – Chaiten77  -42.916603S,-72.712535W/0
11.11.2014/DiChaiten – Puyuhuapi195-44.325902S,-72.558788W/6
12.11.2014/MiPuyuhuapi – Puerto Aysen243-45.407629S,-72.699448W/0
13.11.2014/DoPuerto Aysen – Porto Tranquillo365 -46.623602S,-72.673887W/213
14.11.2014/FrPorto Tranquillo – Chile Chico171-46.535235S,-71.730976W/299
15.11.2014/SaCh.Chico – Bajo Caracoles/AR244-47.444173S,-70.926057W/623
16.11.2014/SoB. Caracoles-El Chalten/Fitzroy526-49.325944S,-72.889994W/398


Wochenbericht  10.-16.11.2014 / Hornopiren – El Chalten/Fitzroy Massiv
Nachdem wir wieder einmal die lokalen, treuherzig dreinschauenden, bettelnden Hunde mit unseren Resten gefüttert haben, fahren wir auf die Fähre Comau der Naviera Austral. Heute haben wir kein Wetterglück und die etwa 4stündige Schifffahrt nach Leptepu, die weiteren 10 Kilometer auf der Strasse bis zur nächsten Anlegestelle an der Rampa Fiordo und die letzte Schiffspassage nach Caleta Gonzalo sind eher eine triste Angelegenheit.


Hie und da erspähen wir eine schneebedeckte Bergkuppe und wir können nur erahnen, wie schön es wäre bei schönem Wetter. Einziger „Farbtupfer“ während der Schiffsfahrt ist der Koch mit seiner originellen Schürze.


Weiter geht es durch das grösste private Naturschutzgebiet der Welt, den Parque Pumalin („Ort wo der Puma wohnt“), den der amerikanische Multimillionär Douglas Tompkins geschaffen hat. Der 1943 in New York geborene Tompkins gründete u.a. die Outdoor-Marke North Face und war Mitbesitzer der Modefirma Esprit. 1990 verkaufte er das Gros seiner Anteile für 125 Millionen Dollar. Seither widmet er sich ökologischen Initiativen.


In den USA gründete er die Stiftung Deep Ecology  und in Chile (später auch in Argentinien) begann er mit dem Kauf grosser zusammenhängender Urwaldgebiete. Begünstig wurde das von den chilenischen Gesetzen, die problemlos den Landerwerb durch Ausländer erlauben. Stück für Stück kaufte er zusammen, inzwischen ist sein Landbesitz über 550.000 Hektar gross und erstreckt sich über weite Teile Nordpatagoniens zwischen Hornopiren und Chaiten. Die Strecke durch den Park, meist durch Urwald und auf guter Naturstrasse ist sehr gepflegt. Zahlreiche Miradores und Campingplätze sind gebaut worden, alles schön in die Landschaft eingebettet. Bald kommen wir vorbei an zerstörten Wäldern und Flussbetten mit viel Schwemmholz und abgestorbenen Bäumen und kurz vor der Ortschaft über die Landepiste der Kleinflugzeuge, nach Chaiten.




Als am 2. Mai 2008 um 0.30 Uhr starke Erdstösse und eine Explosion die Einwohner von Chaiten weckten, ahnten sie nicht, dass dies der Anfang vom Ende ihres kleinen Städtchens, an der gleichnamigen Pazifikbucht sein würde. Im Dunkeln sahen sie das Leuchten und die Aschenwolke einer Eruption und meinten zunächst, es handle sich um den Vulkan Michinmahuida, einen prominenten Kegel 35 Kilometer nordöstlich der Stadt. Doch bald stelle sich heraus, dass der Vulkan Chaiten ausgebrochen war, ein 1110 Meter hoher unscheinbarer Nachbar des Michinmahuida und nur 10 Kilometer von der Stadt entfernt. Von seiner Existenz hatten nicht nur die meisten Chaiteninos, sondern auch viele Vulkanologen nichts gewusst. Schliesslich lag – wie man später berechnen konnte, sein letzter Ausbruch rund 9000 Jahre zurück, und galt, wie so viele andere Vulkane in Chile als erloschen.  Der Vulkan schleuderte seine Asche bis zu 20 Kilometer hoch. Die enorme Rauchsäule wurde vom Wind westwärts getrieben und verdunkelte nach einigen Tagen sogar Buenos Aires. In der Umgebung des Vulkans ging ein dichter Aschenregen nieder. Chaiten wurde binnen eines Tages von einer 20 Zentimeter dicken Aschenschicht überzogen. Daraufhin evakuierte die Regierung in einer Blitzaktion rund 7000 Bewohner im Umkreis von 50 Kilometer. Diese liessen ihr Hab und Gut zurück und konnten nur das Nötigste mitnehmen. Tausende von Nutztieren blieben auf den mit Asche bedeckten Weiden ihrem Schicksal überlassen. Schliesslich trat der Rio Blanco, der direkt unterhalb des Vulkans entspringt, über die Ufer und überschwemmte grosse Teile der Stadt mit Asche, Schlamm und Geröll. Ganze Strassenzüge wurden verwüstet, Häuser weggespült oder unter Schlamm begraben, die Trinkwasser- und Stromversorgung komplett zerstört. Zudem hat der Fluss die ganze Bucht versandet.


Nachdem der erste Schock überwunden war, stritt man monatelang erbittert über die Zukunft der Stadt. Auf der einen Seite die Zentralregierung, die vor unkalkulierbarer Gefahr weiterer Eruptionen warnte und beschloss, Chaiten 10 Kilometer weiter nördlich komplett neu aufzubauen. Auf der anderen Seite viele ehemalige Bewohner Chaitens, die nicht einfach alles aufgeben wollen, für den Wiederaufbau der Stadt plädierten und auf den unzerstörten Hafen als wichtigen Wirtschaftsfaktur verwiesen. Etliche Kleinunternehmen kehrten bereits nach wenigen Monaten zurück, befreiten die Strassen von Asche, setzten ihre teilweise geplünderten Häuser wieder in Stand, versorgten sich mit Strom aus Generatoren und Wasser vom Berg und empfingen wieder Touristen. Ihr Standpunkt: Überall gib es Gefahren, wir müssen eben mit dem Vulkan leben und ihn respektieren.


Ihrem trotzigen Beharren ist es zu verdanken, dass die Regierung Pinera schliesslich einlenkte, den Plan eines „neuen Chaiten“ verwarf und Anfang 2011 den Wiederaufbau der Stadt in Angriff nahm. Heute sind noch einige verlotterte Häuser zu sehen, deren Bewohner nicht zurückgekehrt sind. Vieles aber ist wieder in Stand gestellt oder neu aufgebaut worden und das Städtchen kann sich sehen lassen. Im Restaurant Flamingo haben wir gut gegessen und so geholfen, den Tourismus wieder etwas in Gang zu setzen (wir waren aber nicht die einzigen Gäste).
Hinter Chaiten geht es zügig voran, die Strasse ist bis Puerto Cadenas geteert und führt weiter, dem Lago Yelcho, einem Gletschersee entlang, durch wunderbare Wälder mit vielen blühenden Bäumen und Weiden – leider immer noch bei regnerischem Wetter.


In La Junta machen wir Mittagspause und füllen den Dieseltank. An vielen Stellen wird die Strasse ausgebaut und geteert. Kurz vor Puerto Puyuhuapi stehen wir etwa zwei Stunden vor einer Baustelle. Die Strasse ist wegen Bauarbeiten vom 13 – 17 Uhr geschlossen.


Puyuhuapi ist ein Pionierdorf wie aus dem Bilderbuch mit niedrigen holzverkleideten farbigen Häusern. Erst 1935 wurde die Siedlung gegründet – von vier sudetendeutschen Junggesellen, die als Vorhut einer grösseren Gruppe von Auswanderwilligen kamen. Der Zweite Weltkrieg machte die Übersiedlungspläne zunichte, die vier Männer jedoch blieben, bauten ihre Farmen auf, und einer von ihnen, Walter Hopperdietzel, gründete eine Teppichmanufaktur, die heute noch existiert. Im Ort findet man einige deutsche Namen wie „Hostal Casa Ludwig“, Hosteria „Alemana“, Haus „Otto“ usw. 


Der Bucht von Puyuhuapi entlang, übrigens der einzige Abschnitt der Carretera Austral, welche dem Meer entlang führt, geht es weiter durch viele Baustellen. Wir sind zum Glück früh dran, denn auch da wird die Strasse später von 13-17 Uhr ganz gesperrt. Am Portezuelo Queulat steigt die Strasse auf 500 Höhenmeter steil an und wir durchfahren einen Teil des Nationalparks Queulat. Riesige Farn, blühende Nalcapflanzen (verwandt mit unserer Rhabarber und ebenfalls essbar) und grosse Fuchsienbüsche säumen die gut befahrbare Naturstrasse.


Auf der Fahrt über den Pass zeigen sich doch hie und da die grossen schneebedeckten Berge und ab der Abzweigung nach Puerto Cisnes ist die Strasse wieder geteert. Die Fahrt geht an Bächen entlang mit  tausenden von blühenden Lupinien in Richtung Puerto Aysen. Die Stadt wurde 1914 als Hafenstadt gegründet. Später verlandete der Hafen und heute legen die gösseren Schiffe in Puerto Chacabuco, 16km westlich von Puerto Aysen an. Beide Städte sind nicht unbedingt sehenswert. Wir übernachten neben der Kirche, an einer Seitenstrasse des Plaza de Armas.  
Coyhaique (Koi-Aike)  - « Land zwischen den Wassern » - nannten die indianischen Ureinwohner den Ort ganz passend, schliesslich fliessen hier der Rio Simpson und der Rio Coyhaique zusammen. Die Hauptstadt der Region Aysen wurde 1929 als Servicestation gegründet. Der aussergewöhnliche Plaza, der im Unterschied zu allen anderen Plazas in den Chilenischen Städten fünfeckig ist, wird gerade umgebaut und ist leider eine einzige Baustelle. Wenn fertig gestellt, ist es auf jeden Fall ein besuchenswertes Städtchen. Durch das Tal des Rio Simpson folgen wir der Carretera Austral südwärts. Bis nach Puerto Ibanez ist die Strasse wieder gut ausgebaut und asphaltiert oder betoniert. Wir passieren sumpfige Lagunen und Moorlandschaften und kommen über den 1100 m hohen Pass Portezuelo Ibanez.




Ab hier begleitet das grossartige Panorama des Cerro Castillo (2313m) die Weiterfahrt. Ein bizarres Felsgewirr, das einem Fantasieschloss mit unzähligen Türmchen gleicht.  In Puerto Ibanez machen wir Mittagspause. Es ist sehr, sehr windig. Ab hier fährt täglich eine Fähre nach Chile Chico, der Grenzstadt Chile/Argentinien am gegenüberliegenden Ufer des Sees. Wir fahren weiter bis Villa Cerro Castillo und auf mehr schlecht als rechter Naturstrasse bis Bahia Murta. Im Tal des Rio Murta geht es teilweise durch gespenstische, abgestorbene Wälder.


Im Jahr 1991 brach der nördlich der Strasse gelegene Vulkan Hudson (2615m) aus und überschüttete mit einem Aschenregen weite Teile Patagoniens. Weiter geht es auf schlechter Naturstrasse dem Carrera See entlang bis Porto Rio Tranquilo. Der blaugrüne Lago General Carrera ist mit 2240 km2 der grösste See Chiles und nach dem Titicacasee der zweitgrösste Südamerikas. Ab Tranquilo gibt es Bootstouren zu den Capillas de Marmol. Wenn es nicht zu windig ist und die Wellen nicht zu hoch, wollen wir morgen diese Marmorhöhlen besuchen. In der Cervezeria gibt es je zwei Pisco Sour und im Bob Abendessen.
Ich habe ganz schlecht geschlafen. Erstens : zwei Pisco Sour waren definitiv einer zu viel für mich und Zweitens : Wir stehen wieder einmal unter einer Strassenlaterne, dieses Mal sogar einer sehr grellen Led-Licht-Laterne, welche das Licht direkt auf unsere Betten abgibt.


Am Morgen ist es sehr windig und wir können beobachten, dass ein kleines Boot zu den Marmorhöhlen rausfährt. Die Wellen gehen dermassen hoch, dass das Boot im Wellental nicht mehr sichtbar ist. So verzichten wir auf den Ausflug und fahren weiter dem Lago General Carrera entlang mit herrlichen Blicken auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel. Ernest wäre gerne noch weiter bis zur südlichsten Stadt der Carretera Austral, bis nach O’Higgins gefahren – 280 Kilometer hin und auf der gleichen Route wieder 280 Kilometer zurück erscheinen mir aber für einen „kurzen Abstecher „ doch zu viel.


Bei Puerto Guadal machen wir einen Halt bei der Terra Luna Lodge, herrlich gelegen am grünen Ufer des Carrera Sees. Die Strasse ostwärts am Lago General Carrera entlang, gehört zu den schönsten Routen in ganz Patagonien. Es geht in teils abenteuerlichen Kurven, bergan und berghinunter über 120 Kilometer dem Steilufer des lang gestreckten Sees entlang.


Immer wieder gibt es tolle Blicke auf blaugrüne Buchten und zurück blickend auf das Patagonische Eisfeld. Ernest ist auf dieser Strecke recht gefordert, die Strasse ist teilweise eng, ist sehr kurvig und hie und da kommen uns auch kleinere Laster entgegen oder – Motorradfahrer mit Zürcher Nummernschilder. Fabian und Jeannine sind mit ihren Enduros unterwegs durch Südamerika und fahren weiter nordwärts auf der Carretera Austral.


In der Grenzstadt Chile Chico leben etwa 3000 Menschen. Eines der schönsten Dörfer/Städtchen, welche wir in jüngster Zeit in Chile gesehen haben. Wir parkieren am Hafen, windgeschützt und ruhig – bis um etwa 22 Uhr die Fähre aus Puerto Ibanez ankommt. Zahlreiche Laster, Busse und PKW’s verlassen die Fähre mit entsprechendem Lärm. Dazu kommt, dass die Rampe der Fähre während der Nacht nicht hochgezogen wird und die Fähre somit wegen Wind und Wellen dauernd auf der Rampe aufsteht und entsprechenden Lärm verursacht.




Am Abend vorher haben wir bereits einige Essensreste an zwei Hunde verfüttert. Diese warten schon wieder geduldig vor unserer Tür und hoffen auf mehr. Da wir heute wieder nach Argentinien einreisen und das letzte Mal keine guten Erfahrungen gemacht haben, wollen wir dem Aerger entgegen treten und verfüttern noch die nicht gekochten kleinen Würste, den angefangenen Käse usw. – ein Festessen für die zwei Vierbeiner. Ein paar Bananen und Aepfel schenken wir einem Lastwagenchauffeur. Die Zollabfertigung am Chilenischen Zoll ist eine Sache von fünf Minuten. Die Einreise nach Argentinien eine Sache von 10 Minuten. Die „Inspektion“ unseres Fahrzeuges bezüglich Esswaren hat gar nicht stattgefunden. Der Zöllner war so begeistert vom Innenleben, dass er alles andere wohl „vergessen“ hat. Nicht einmal eine Frage bezüglich Esswaren ist gestellt worden. Es geht auch so! Bereits geht es durch die sogenannte „Pampa“ von Patagonien in Richtung Perito Moreno Stadt. Hier kaufen wir wieder ein und füllen unseren Kühlschrank. Einen funktionierenden Bankautomaten suchen wir vergebens, es ist Samstag und das ganze Dorf wie ausgestorben.




Etwa 120 Kilometer fahren wir auf wunderbar ausgebauter asphaltierter Strasse durch die windige, steppenartige Gegend – uns gefällt es! Eine neue Schotterpiste/Stichstrasse führt ostwärts in Richtung Cueva de las Manos. Die Höhlen liegen in der Schlucht des Rio Pinturas, die in etwa zwischen 9500 v.Chr. und 1000 n.Chr. bewohnt waren. Die indianischen Ureinwohner hinterliessen zahlreiche Malereien, die zu den ältesten menschlichen Zeugnissen in Südamerika gehören. Wir sehen Tierdarstellungen, zumeist Guanakos, sowie viele Negativ-Drucke von Handflächen in verschiedenen Farben. Unterschieden werden vier Epochen: die erste von etwa 9500 bis 7000 v.Chr., in der vorwiegend Jagdszenen entstanden. Zu erkennen ist beispielsweise eine Gruppe von zwölf Jägern, die Dutzende von Guanakos jagt. Vorherrschende Farben sind Ocker, Rot, Violett und Schwarz. Auch in der zweiten Phase von 7000 bis 5000 v.Chr. dominieren die Jagdszenen. Man sieht schon Tiere mit ihren Jungen. Die dritte Phase datiert bis etwa 1500 v.Chr.






In dieser Zeit entstanden die meisten der farbigen Hand-Negativ-Drucke und die Tierdarstellungen werden statischer und mehr stilisiert, d.h. es sind  z.B. schwangere Guanakos zu sehen. Danach, in der vierten Phase, schufen sie vorwiegend geometrische Motive. Zick-Zack-Linien, Dreiecke und konzentrische Kreise, aber auch weitere Handnegative – teilweise Hände mit 6 Fingern!
Hier treffen wir auf Viola und Bert mit ihrem Pinscher Jack. Sie sind seit 2 ½ Jahren unterwegs mit ihrem Landcruiser, angefangen haben sie wie wir in Halifax und kennen ebenfalls Michi und Ursi mit den Hunden Sheela und Miro. Auf der Schotterstrasse geht es zurück zur Route 40 und ein paar wenige Kilometer weiter nach Bajo Caracoles, ein Ort mit etwa 20 kleinen Häuschen, einem Hostal mit Mercado und einer Bar. Auf dem Parkplatz übernachten wir.


Kein Wind die ganze Nacht und auch heute Morgen ist es fast windstill. Die heutige Strecke ist eine reine « Pampafahrt » und, ob man es glaubt oder nicht wir sind stundenlang ohne Wind unterwegs. Die Pampa ist die Landschaft Argentiniens, deren Pflanzenwelt sich durch menschliche Eingriffe am meisten gewandelt hat. Zahlreiche neue Gräser wurden angesiedelt, die Pampa ist heute eine Kultursteppe. Dazu pflanzten die Viehzüchter Bäume unter denen das Vieh Schutz vor Kälte oder Hitze suchen kann. Von den gefahrenen zirka 525 Kilometern sind wir lediglich etwa 75 Kilometer auf Schotterstrasse gefahren. Die grösste Strecke ist asphaltiert. Immer wieder säumen Guanakos die Strasse und es heisst aufpassen. Links und rechts der Strasse ist ein Zaun angebracht und die grösseren Tiere hüpfen auf der Flucht elegant darüber. Die kleineren, jungen Tiere trauen sich noch nicht so richtig und man weiss nie genau, in welche Richtung sie wohl flüchten wollen. Ebenfalls gesichtet haben wir Schafe, Rinder, Pferde, einen Fuchs, Hasen und einige Nandus mit ihren Jungtieren. Der Nandu ist ein Laufvogel, ein kleiner Verwandter des südafrikanischen Vogel Strauss. Auf der Nordseite des Lago Viedma geht es in den nördlichen Teil des Parque Nacional Los Glaciares, in Richtung des Fitzroy-Massiv. Der Fitzroy, benannt nach dem Kapitän von Darwins Forschungsschiff, ist mit seinen 3405 m zwar einer der niedrigeren Berge Argentinien, dennoch aber ein Traumziel für Bergsteiger aus aller Welt. Schon viele Kilometer bevor wir in El Chalten ankommen, können wir das einzigartige Bergmassiv sehen. Wind ist aufgekommen und immer mehr verziehen sich die Wolken und geben den Blick frei auf die Spitzen des Fitzroy und den Gletscher Piedras Blancas.





Kurzgeschichte 22/2014 – Andenkamele
Bevor die spanischen Eroberer in die Andenländer kamen, gab es hier keine grossen Säugetiere – weder Pferde noch Schafe, Rinder oder Schweine. Die Spanier fanden lediglich einige seltsame Kamelarten vor:
Lamas: chilenisch Llamas, kommen nur im Norden des Landes vor. Sie sind Nutztiere der Bewohner des Altiplano, der sich von Peru und Bolivien bis nach Nordchile und Nordargentinien erstreckt. Sie dienen als genügsame Lasttiere sowie als Milch- und Wolllieferanten, wobei ihre Wolle recht grob ist. Auch das Fell wird genutzt. Lamas sind gelbbraun bis schwarzbraun, teilweise auch weiss oder gescheckt. 
Alpacas sind ebenso wie Lamas Haustiere. Sie sind kleiner und pummeliger, haben längeres und feineres Fell als die Lamas und sind weisslich-gelb, schwarzbraun, oder schwarz. Sie dienen in erster Linien als Lieferanten für feine Wolle. Ihr Fleisch gilt als Delikatesse.
Vicunas/Vikunas bieten die feinste Wolle. Sie haben ein gelblich-goldbraunes, kurzhaariges Fell. Das Problem ist, dass sich die ausschließlich wild lebenden Vicunas nur schwer einfangen und scheren lassen. Deshalb wurden sie gejagt. Ein staatliches Schutzprogramm hatte in den letzten Jahren Erfolg. Waren die Vicunas in den 1950er Jahren in Chile schon fast ausgestorben, so hat ihre Population heute wieder gut 200.000 Tiere erreicht. Man erlaubt heute den Aymara-Indianern, die Tiere zusammenzutreiben, zu scheren und die Wolle zu vermarkten. 
Guanakos sind die grössten der Andenkamele und die einzigen, die auch weiter südlich anzutreffen sind. Während in den Hochanden der Zentralzone nur vereinzelte Populationen überleben, haben sich die Bestände in Südpatagonien dank des Schutzprogrammes so weit erholt, dass man sie auch im Nationalpark Torre del Paine oder auf Feuerland überall antrifft. Die Tiere haben ein langes und dichtes Fell in einer rot-braunen Farbe. Wie die Vicunas ist das Guanako nicht als Haustier domestiziert.



Neuer Absatz

2014El Chalten/Fitzroy – P. NataleskmKoordinaten/Uebern’ort/M.ü.M
17.11.2014/MoEl Chalten/Ausfl. Lago Desierto73-49.325896S,-72.889902W/408
18.11.2014/DiEl Chalten/Ausfl.Glacier Viedma38-49.321583S,-72.894392W/405
19.11.2014/MiEl Chalten – Punta Banderas293-50.312966S,-72.796814W/179
20.11.2014/DoP. Banderas–NP Los Glaciares108-50.529177S,-72.791963W/75
21.11.2014/FrC. El Huala – Cerro Castillo/CL267-51.258670S,-72.344975W/131
22.11.2014/SaNP Torres del Paine115-51.107641S,-72.987723W/48
23.11.2014/SoNP T. d. Paine – Puerto Natales145-51.729095S,-72.514876W/0


Wochenbericht  17.-23.11.2014 / El Chalten/Fitzroy – Puerto Natales
Am Fusse des Fitzroy-Massivs entlang, führt eine Schotterpiste ins Tal zum Lago Desierto. Immer wieder passieren wir kleine Brücken. An jeder ist ein Schild angebracht: 6 Tonnen Höchstgewicht – wir haben 10,5 Tonnen. Ernest kümmert dies wenig. Die Brücken sehen aber sehr stabil aus.


Dem Rio Fitzroy entlang, einem wunderbaren Fluss, mal ruhig dahinfliessend, mal über kleine Wasserfälle rauschend, geht es gut 35 Kilometer Tal einwärts. Nach der 8. Brücke haben wir es geschafft und gelangen zum Lago Desierto.




Der Lago ist ein Grenzsee. Am hinteren Ende ist ein kleiner Zoll der Chilenen und bei der Bootsanlegestelle ist der Zoll der Argentinier. Gerade schaffen wir es noch zu einer Rundfahrt mit dem Boot. Es geht vorbei an Gletschern des Cerro Vespignani.


Diese hängen bis tief hinunter ins Tal und Enden meist kurz oberhalb der Wälder. Nach gut 20 Minuten Fahrt dreht der Kapitän relativ rassig sein Boot und nimmt die Rückfahrt in Angriff. Wir sehen, dass sich im hinteren Teil des Sees die Wellen aufgeschäumt haben und Gischt über die Wasseroberfläche spritzt. Ein berüchtigter Fallwind sorgt für heftiges unruhiges Wasser. Der Kapitän nimmt das sehr gelassen und führt uns sicher wieder zur Anlegestelle zurück. Auf gleichem Weg geht es mit Bob zurück über die 8 Brücken – alle sind sie noch ganz und haben keinen Schaden genommen.


Am Abend rüttelt es ganz heftig an unserem Fahrzeug, der berühmte Patagonische Wind ist heftig. Im Bob selber ist es aber warm und „saugemütlich“.
Im Reisebüro kaufen wir uns Tickets für einen Bootsausflug zum Glacier Viedma und fahren zur Anlegestelle Bahia Tunel. Ein schöner Katamaran fährt die Gäste zwei Mal am Tag zum Gletscher. Weitere Fahrten mit Gletschertrekking werden ebenfalls angeboten. In der Bucht ist der See recht trüb, respektive bräunlich. Wie uns unsere Reiseführerin erklärt, hat es in den letzten zwei Wochen sehr viel geregnet und die Bäche haben viel Sand und Gestein in den See geführt.




Der Viedma, ist einer der 48 Auslassgletscher und einer der grössten des Campo de Hielo Sur. Der Campo Hielo Sur ist das auf der Welt drittgrösste Gletschergebiet, nach Grönland und der Antarktis (siehe Kurzbericht). Der Gletscher Viedma befindet sich im Nationalpark Los Glaciares in Patagonien, Argentinien, der im Jahr 1981 zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt worden ist. Sobald wir aus der Bucht hinaus fahren, ändert sich die Farbe des Sees von Braun in ein Türkisblau. Bald fahren wir vorbei an kleineren und grösseren Eisbergen und bekommen den Gletscher, welcher direkt in den See mündet, zu Gesicht. Ein herrlicher Anblick.


Die moränenreiche Gletscherstirn ist ca. 2 Kilometer breit, der Gletscher ca. 35 Kilometer lang und umfasst eine Fläche von ca. 978 km2. Der See wird überwiegend durch das Schmelzwasser des Viedma-Gletschers gespeist. Dann haben wir auch noch Wetterglück und es zeigt sich die Sonne. Wieder zurück in El Chalten treffen wir auf dem Parkplatz einen weiteren MAN. Wolfgang und Anke sind ebenfalls seit längerer Zeit unterwegs auf diesem Kontinent.


Die knappen 300 Kilometer von El Chalten bis nach Calafate führen auf gut ausgebauter Strasse wieder durch die Pampa. Von weitem schon ist der Lago Argentino mit seinem hellblauen Wasser zu sehen.


. El Calafate ist Hauptstadt des Departamento Lago Argentino und Zentrum des Tourismus für den Nationalpark Los Glaciares mit dem bekannten Gletscher Perito Moreno am Fuß der Anden. Es ist eine rasch wachsende Kleinstadt am Ufer des Lago Argentino auf etwa 200 Metern Höhe gelegen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde am Standort des heutigen Calafate ein Versorgungspunkt für die Wolltransporte von den umliegenden Estancias aus eingerichtet. 1927 wurde der Ort offiziell von der argentinischen Regierung gegründet, um die Besiedlung der Region voranzutreiben. Der Aufstieg von Calafate begann 1943 mit der Einrichtung der Verwaltung des Nationalparks Los Glaciares (1946 fertiggestellt). Die Parkverwaltung war lange Zeit die wichtigste Institution der zunächst nur etwa 100 Einwohner zählenden Ortschaft, sie kümmerte sich um die Stromversorgung, den Straßenbau sowie die Einrichtung des ersten Hotels im Dorf. In den letzten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte der Ort dagegen eine Eigendynamik, als der Tourismus auch in von den Hauptballungszentren Argentiniens weiter entfernten Regionen populär wurde, was die Anzahl der Hotels und Restaurants sowie die Einwohnerzahl besonders seit den 1980er-Jahren sprunghaft ansteigen ließ. Das Stadtbild hat sich entsprechend gewandelt: Von einem staubigen Ort zu einer hübsch aussehenden Stadt mit abwechslungsreichen Holzhäusern an gepflasterten Straßen. Der 2000 eingeweihte Flughafen Aeropuerto International de El Calafate, 21 Kilometer östlich des Ortes, brachte noch einen zusätzlichen Schub und heute schätzt man, dass die Einwohnerzahl bei etwa 20.000 liegt. Grundsätzlich wollen wir noch zum Gletscher. Es wird uns aber am Parkeingang empfohlen, erst morgen früh gleich nach dem Öffnen des Parks wieder zu kommen, da es bis um 10 Uhr fast keine Gäste habe. So fahren wir zur Punta Banderas, der Anlegestelle der Boote für die Rundfahrten zum Gletscher Perito Moreno und finden einen ruhigen Stellplatz neben einem alten Fischerboot.


Schon vor 8 Uhr stehen wir am Parkeingang und fahren direkt zum Gletscher Perito Moreno. Der Anblick des Gletschers, welcher schon auf der Hinfahrt ersichtlich ist, ist fantastisch.


Vor dem Gletscher stehend, ist er atemberaubend. Auf bequemen Passarellen sind diverse Rundwege angelegt, welche auf verschiedenen Höhen wunderbare Blicke auf den Gletscher offenbaren. Es knackt und knarrt und „donnert“ im Gletscher, ein unheimliches Gefühl. Stundenlang stehen und sitzen wir beim Gletscher und können immer wieder beobachten, wie kleinere und auch riesige Gletscherabbrüche in die Tiefe stürzen. Gegen 11 Uhr werden viele von Touristen in Bussen eingefahren. Da wir immer noch in der Nebensaison reisen, können wir nur erahnen, welche „Massen“ sich in der Hochsaison über diese Passarellen ergiessen.


Der Gletscher gehört heute zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens, er ist der meistbesuchte Ort des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalparks Los Glaciares (mit Fitzroy, Perito Moreno und Torres del Peine). Der Gletscher hieß früher Bismarck-Gletscher. Im Jahr 1899 hatte ihn sein Entdecker, der deutsche Geologe Rudolph Hauthal, nach dem im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck benannt. Er wurde erst später nach Perito Moreno benannt, als Würdigung dessen Verdienstes als Entdecker und Anthropologe


In Deutschland war der Name Bismarck-Gletscher bis mindestens 1917 üblich. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern der Region zieht sich der Perito-Moreno-Gletscher nicht zurück. Die Obergrenze des Gletschers wird an der kontinentalen Wasserscheide gezogen, die Eisscheide hat eine durchschnittliche Höhe von 2200 m, der höchste Punkt liegt auf 2950 m beim Cerro Pietrobelli. Von dort erstreckt sich der Gletscher über etwa 30 km ostwärts bis zum Lago Argentino. Basierend auf Satellitenaufnahmen von 1999 wurde eine Gletscherfläche von 254 Quadratkilometern ermittelt.


Der Gletscher erreicht den Lago Argentino an dessen südlichen Ausläufern und trennt zwei der Seitenarme voneinander, und zwar den Brazo Rico im Süden vom weiter nördlich liegenden Canal de los Témpanos. Zeitweise überbrückt der Gletscher den gesamten Seitenarm des Sees und erreicht das gegenüberliegende Ufer, ganz im Westen der Magellan-Halbinsel. Die Kalbungsfront im Canal de los Témpanos ist dabei 2,3 km lang, die im Brazo Rico 2,1 km und die Länge der Front an der Westseite Magellan-Halbinsel liegt bei 0,5 km. Die Höhe der Kalbungsfront liegt 55 bis 77 Meter über der Wasserlinie. Die tiefste Stelle in Frontnähe im Brazo Rico beträgt 110 m, im Canal de los Témpanos sind es 164 m. Der Gletscher bildet an keiner Stelle eine schwimmende Zunge. Die Kalbungsgeschwindigkeit ist in der Mitte der Front im Canal de los Témpanos am größten, dort wurde ein Wert von 795 Meter pro Jahr ermittelt.


Aus dem ersten verwertbaren Foto des Gletschers von 1899 ist zu erkennen, dass das damalige Gletscherende einen Kilometer oberhalb der jetzigen Gletscherfront lag. In der Folgezeit stieß er vor bis es 1917 zur ersten dokumentierten Aufstauung des Brazo Rico kam. In der Zwischenzeit kam es zu mehr als 20 solchen Aufstauungen und Entleerungen, typischerweise wiederholt sich der Vorgang alle zwei bis vier Jahre. Während der Aufstauung im Jahr 1965 wird von einem Wasserspiegelanstieg von 28,4 m im Brazo Rico berichtet, dies scheint aber übertrieben, da die Vegetation im Bereich des südlichen Seitenarms auf eine maximalen Anstieg von 23,5 Metern schließen lässt, auch würde das Wasser bei einem Anstieg von mehr als 25 Metern über die tiefer liegenden Gebiete im nordöstlichen Bereich des Brazo Rico abfließen und so einen weiteren Anstieg verhindern. In den Jahren zwischen 1988 und 2003 erreichte der Gletscher mehrfach das gegenüberliegende Ufer, es kam allerdings nicht zu spektakulären Ausbrüchen, da das Wasser über Kanäle im Eis ablaufen konnte. Im Jahr 2003 stieß die Gletscherfront im Canal de los Témpanos um 100 bis 120 Meter vor, im Brazo Rico waren es 150 Meter. Im September 2003 sperrte der Gletscher schließlich den Abfluss des Brazo Rico vollständig ab.


Die Fläche der südlichen Teile des Lago Argentino – Brazo Rico und Brazo Sur – vergrößerte sich in der Folgezeit von ungefähr 150 km² auf 172 km², der Wasserspiegel stieg um 9,35 Meter. Am 11. März begann das Wasser durchzubrechen, zunächst durch Risse im Eis, die sich vergrößerten. Zwei Tage später brach ein 60 Meter hoher Teil der Eisfront zusammen. Bereits zwei Jahre später, am 13. März 2006, kam es zum nächsten derartigen Zusammenbruch des Eisdamms. Der folgende Ausbruch am 9. Juli 2008, dem argentinischen Unabhängigkeitstag, war der erste bekannte Zusammenbruch im Winterhalbjahr. Dieser ungewöhnliche Zeitpunkt könnte mit der Globalen Erwärmung im Zusammenhang stehen. Der bislang letzte Ausbruch ereignete sich im März 2012. Erst gegen Abend fahren wir zur Südseite des Lago (Branzo) Rico und verbringen auf dem Camping Huala in traumhafter Natur, mit Blick auf Pferde- und Rinderherden, inmitten von umherhuschenden Hasen und eigenartig trällernden Vögeln und schnatternden Gänsen, einen schönen Abschluss des wunderbaren Tages.


Zurück nach El Calafate und weiter in Richtung Torres del Paine. Erst fahren wir durch hügelige Steppenlandschaft bis El Cerrito und auf der R 40 ca. 70 Kilometer auf holpriger Schotterstrasse bis Tapi Aike. Nach weiteren gut 50 Kilometern stehen wir bereits an der Grenze Argentinien – Chile.


Raus aus Argentinien sind wir in etwa 10 Minuten und in Chile dauert das ganze Prozedere auch lediglich etwa 15 Minuten. Auch hier werden wieder unsere Esswaren kontrolliert, allerdings ist man an diesem Grenzübergang von Cerro Castillo etwas nachsichtiger. Gleich nach dem Zoll gibt es einige Restaurants und Cafeterias. Wir nehmen unser Nachtessen im originellen Restaurant und dem dazugehörenden Souvenirladen (Chaletstil) gleich nach dem Zollgebäude ein und dürfen auf dem Hinterhof für die Nacht bleiben.
Von Cerro Castillo aus nehmen wir die Strasse auf der östlichen Seite des Lago Toro und fahren durch das Tal des Rio de las Chinas. Die Strasse ist geteert, weisst allerdings schon etliche Schäden auf.


Alle Schäden sind nummeriert und es müssen weit über 200 Löcher geflickt werden. Durch hügelige Landschaft geht es bis zum Lago Azul, immer wieder mit herrlichem Blick auf den, teilweise noch in den Wolken versteckten, Berggipfel.


Unterwegs sind sehr viele Guanakoherden anzutreffen und auch hie und da erblicken wir ein Nandu Pärchen und einen Andenfuchs.




Auf dem Campingplatz des Lago Azul halten wir ein Schwätzchen mit Franzosen, einem Ehepaar und einer jungen Familie mit zwei Kindern. Langsam lichten sich die Wolken und immer wieder erhaschen wir einen Blick auf die „Torres“. Paine heißt in der Sprache der Tehuelche (Aonikenk)-Indianer „himmelblau“, Torres del Paine also „Türme des blauen Himmels“. Unterwegs können wir beobachten, wie ein Guanakoweibchen ihr Junges auf die Welt bringt. Zahlreiche ganze „neue“ Mütter mit ihren Kleinen liegen meist hinter Gebüschen gut versteckt. Wir haben gehört, dass Guanakos meist Ende November, Anfang Dezember ihre Jungen auf die Welt bringen – scheint sich zu bestätigen und ist ein wunderschönes Erlebnis, dies miterleben zu dürfen.


Die abwechslungsreiche Fahrt geht vorbei an der grünglitzernden Laguna Amarga zum Parkeingang Porteria, vorbei an zahlreichen kleinen Lagunen, Wäldern aus Lenga- und Olivillo-Bäumen zum Lago Nordenskjöld, benannt nach dem schwedischen Geologen Otto Nordenskjöld. Auf dem kurzen Spaziergang zum Salto Grande, einem mittelgrossen Wasserfall, entdecken wir die lustigen Boquiabiertas (Calceolaria uniflora) Blumen, die aussehen wie kleine Männchen mit Brillen.




Im Camping Pehoe verbringen wir nach einem feinen Nachtessen im dazugehörenden Restaurant eine wiederum ruhige Nacht ohne viel Wind. 
Die Nationalpark-Fläche umfasst 2420 km². Er ist durchzogen von bis zu beinahe 3000 m hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen.




Die „Torres del Paine“ sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Dabei handelt es sich um drei nadelartige Granitberge, die zwischen 2600 und 2850 m hoch sind. Die Berge liegen etwa in der Mitte des Nationalparks. Südlich dieser drei Berge liegt der See Lago Nordenskjöld. Der höchste Berg im Nationalpark ist der Cerro Paine Grande mit 3050 m. Große Teile des Nationalparks sind vergletschert. Der bekannteste Gletscher ist der Grey-Gletscher, der in den Lago Grey kalbt. Im Sommer liegen die mittleren Temperaturen bei 11 °C und im Winter bei ca. 1 °C.  Vor rund 14.000 Jahren endete die letzte Eiszeit in Patagonien, seitdem ziehen sich die Gletscher zurück.


So siedelten sich viele Tiere in der Gegend an. 1895 fand der deutsche Abenteurer und Siedler Hermann Eberhard ein Milodon-Skelett, ein steinzeitliches Riesenfaultier. Die Höhle des Milodon östlich des Parks ist ein oft besuchtes Touristenziel. 1906 wurde die Stadt Cerro Castillo am Ostrand des Parks errichtet. Vor Einrichtung des Parks durch die Regierung Chiles hatten die Grundbesitzer bereits große Teile der Wälder abgebrannt, um Schaf-Weideflächen zu gewinnen. Heute ist die Landschaft wieder der Natur überlassen. Der Nationalpark wurde am 13. Mai 1959 gegründet und wird von der chilenischen Forstbehörde CONAF verwaltet. 1978 wurde er zum Biosphärenreservat der UNESCO erklärt. Am 17. Februar 2005 brach ein verheerender Waldbrand im Park aus. Dabei wurden mehr als 15.000 Hektar Wald vernichtet. Ein weiteres Feuer Ende Dezember 2011/Anfang 2012 zerstörte über 14.000 Hektar Wald. Beide Brände wurden durch Unachtsamkeiten von Touristen verursacht.


Bei stahlblauem, fast wolkenlosem Himmel fahren wir zum Lago Grey und erwischen gerade noch, ohne vorher ein Ticket gekauft zu haben, das Boot für die Rundfahrt zum Glaciar Gray um 8 Uhr. Der Reiseleiter vertraut uns und wir dürfen nach der Fahrt im Hotel bezahlen.


Wunderbar ragen die mit Neuschnee verzuckerten Gipfel der Torres in den blauen Himmel. Bald einmal fahren wir vorbei an bizarr anmutenden kleineren und grösseren Eisbergen. Die Sonne verwandelt diese grandios in vielseitiges Blau und wir können uns nicht sattsehen. Das Boot fährt durch viele Eisschollen sehr nahe an die Abbruchkante, ein weiteres Erlebnis sondergleichen.






In den nüchternen Magen (hatten keine Zeit für Frühstück!!) bekommen wir alle einen Pisco-Sour mit Gletschereis serviert.


Am Ende der Fahrt hat Ernest an die 200 Bilder gemacht, es hätten durchaus noch viel mehr sein können.






Drei Stunden dauert die Schifffahrt und wir können sagen, dass diese einer der Höhepunkte unserer bisherigen Reise ist.


Nach einem kurzen Spaziergang zum Parkplatz (dieser liegt etwa 15 Minuten zu Fuss von der Anlegestelle entfernt) fahren wir weiter zum Hotel Gray, bezahlen unser Ticket und genehmigen uns einen Brunch. Nach einem netten Gespräch mit einem Ehepaar aus München (mit Camper unterwegs) ziehen wir mit Bob noch ein Auto eines jungen Mannes aus dem Bach. Er hat dieses aus Unachtsamkeit „versenkt“.


Auf der Westroute des Lago Toro wollen wir weiter in Richtung Puerto Natales. Wieder einmal stehen wir wegen Bauarbeiten vor einer geschlossenen Strasse (ohne irgendwelche Hinweise vorher). Die drei Stunden Wartezeit verbringen wir mit Fotos anschauen und einem Nickerchen (Ernest) und Stricken. Da die Tage lange hell bleiben, entscheiden wir uns, doch noch bis Puerta Natales weiter zu fahren. Das Wetter hat sich merklich verschlechtert, teilweise sieht es fast nach Schneefall aus. An den Höhlen des bereits oben erwähnten Milodon-Skeletts, des steinzeitlichen Riesenfaultiers fahren wir vorbei und gelangen bald nach Puerto Natales. Das Städtchen gefällt uns sehr gut. Puerto Natales, gegründet 1911, ist eine Hafenstadt mit ca. 20.000 Einwohnern und ist die grösste Stadt der „Region de Magallanes y de la Antartica Chilena“ und hat auch einen eigenen Flughafen. Das Klima ist ganzjährig rau, meist mit kalten Winden gepaart, was auch wir zu spüren bekommen.
Wir stehen in der Nähe vom Hafen, begeben uns bei zügigem Wind auf einen Spaziergang und „landen“ schlussendlich wieder in einem der besten Restaurants in der Stadt, im „La Ultima Esperanza“ (proppenvoll, gerade noch die letzten zwei Plätze erwischt).   




Kurzgeschichte 23/2014 – Campo Hielo Sur (südliches Eisfeld)
Der Campo de Hielo Sur (spanisch: „südliches Eisfeld“; auch Campo de Hielo Patagónico Sur, Südpatagonisches Eisfeld) ist das größte Gletschergebiet Patagoniens, zudem das größte auf der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis. Es liegt in den Anden, teilweise in Chile, teilweise in Argentinien.
Die Länge des Gletschergebiets, die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung, beträgt 350 km, die Breite liegt meist zwischen 30 und 40 km. Die Fläche beträgt ungefähr 13.000 km².
Im Jahr 1943 wurde das Gletschergebiet im Auftrag der chilenischen Regierung mit Militärflugzeugen aus der Luft fotografiert. Danach wurde die Gegend durch die Expeditionen von Federico Reichert und Alberto de Agostini erforscht. Trotzdem sind bis heute Teile des Gebiets noch nicht betreten worden. Der Campo de Hielo Sur gilt als das größte Süßwasserreservoir in Südamerika.
Grenzziehung: Für den 60 km langen Abschnitt der chilenisch-argentinischen Grenze zwischen den Bergen Fitz Roy und dem El Murallón konnte bislang keine einvernehmliche Festlegung gefunden werden. Der Abschnitt des Gletschers konnte noch nicht exakt vermessen werden.
Im Jahre 1998 erklärten die Präsidenten Eduardo Frei Ruiz-Tagle (Chile) und Carlos Menem (Argentinien) diesen Abschnitt zu einer besonderen Zone. Sie vereinbarten, diese Zone auf allen Landkarten markieren zu lassen. Die Zone sollte von einem Viereck eingerahmt werden und innerhalb des Rahmens sollte keine Grenze gezogen werden. Dazu sollte eine kurze erklärende Note gedruckt werden.
Das argentinische Instituto Geográfico Militar veröffentlichte 2006 eine Landkarte ohne den Rahmen, ohne die erklärende Note und mit der maximalen argentinischen Forderung einer amtlichen Grenzlinie. Nach einer diplomatischen Protestnote und einem Gipfeltreffen zwischen Michelle Bachelet und Néstor Kirchner wurde die Karte aus dem Verkehr gezogen.
Gletscher: Zum Campo de Hielo Sur gehören zahlreiche, teils riesige Auslassgletscher. Mit Ausnahme zweier Gletscher kalben alle größeren Gletscher an ihrem Ende. Die westlichen erreichen dabei einen pazifischen Fjord, die östlichen kalben in Gletscherrandseen. Zu den größten Gletschern des Campo de Hielo Sur zählen folgende:
Pío-XI-Gletscher, 1.265 km² - Viedma-Gletscher, 978 km² - Upsala-Gletscher, 902 km² - Perito-Moreno-Gletscher, 254 km² - Balmaceda-Gletscher - Serrano-Gletscher - Geike-Gletscher - Grey-Gletscher und der Jorge-Montt-Gletscher.
Nationalparks: Teile des Campo de Hielo Sur gehören Nationalpark Torres del Paine, Chile - Nationalpark Bernardo O’Higgins, Chile und der Nationalpark Los Glaciares, Argentinien



2014Puerto Natales–UshuaiaKMKoordinaten/Uebern’ort/M.ü.M
24.11.2014/Mo  Puerto Natales0-51.729095S,-72.514876W/0
25.11.2014/DiP. Natales – Punta Arenas334  -53.166558S,-70.910116W/0
26.11.2014/MiPunta Arenas2-53.166558S,-70.910116W/16
27.11.2014/DoP. Arenas – Oanisin (Pingus)376-53.460716S,-69.306054W/1
28.11.2014/FrOanisin – Ushuaia (Hafen) 379-54.807045S,-68.301159W/9
29.11.2014/SaUshuaia (Rio Pipo)6-54.827819S,-68.361288W/39
30.11.2014/SoUshuaia (Rio Pipo)0-54.827819S,-68.361288W/39


Wochenbericht  24.-30.11.2014 / Puerto Natales – Ushuaia
Puerto Natales sehen wir uns etwas genauer an und spazieren durch die nette Stadt. Sie ist schon recht touristisch, hat einige Hostals, diverse Kleiderläden für Trekkingbekleidung und viele Restaurants. Die Kirche wurde gerade renoviert, Kostenpunkt etwa eine Million Schweizerfranken!


Auch am Hauptplatz wird noch gebaut und offensichtlich laufen die Vorbereitungen auf die kommende Sommersaison für die Monaten Januar und Februar, eine wahrlich kurze Saison.


Es geht ein zügiger, kalter Wind und wir ziehen uns zurück in unsere „gute warme Stube“, schreiben Tagebuch und lesen. Am Abend geht es in die Pizzeria „La Mesita Grande“, alle Gäste sitzen an einem langen Tisch und die Pizza soll die beste in der Stadt sein, dem können wir zustimmen. Der Zufall will es, dass wir neben einem jungen Schweizer Paar auf Hochzeitsreise sitzen. Eveline und Victor sind aus der Gegend Luzern (Oberrüti). Sie haben die Route von Puerto Montt bis Puerto Natales mit dem Fährschiff Eden von Navimag zurückgelegt und waren vom Service auf dem Schiff und der Fahrt als solches begeistert, obwohl das Wetter nicht immer mitgespielt hat. Das Gespräch war sehr anregend und wir mussten am späten Abend regelrecht als letzte Gäste „rausgeschmissen“ werden.


Beim Frühstück können wir eine Schwarzhalsschwanenfamilie beobachten, die vor unserem Fenster im Wasser auf Futtersuche hin und her paddelt. Ein Jungtier sitzt auf dem Rücken der Mutter und lässt sich, während es sich putzt, gemütlich „chauffieren“. Auf der Ruta del Fin del Mundo geht es in Richtung Punta Arenas. Unterwegs bläst zeitweise der Wind recht zügig. Motorradfahren macht sicher nicht allzu viel Spass, die Fahrer werden bei diesem Wind und den Böen gezwungen in Schräglage zu fahren, was teilweise furchterregend aussieht.


Die Strasse führt wieder durch Steppengebiet. Von Zeit zu Zeit sieht man die originellen Wartehäuschen. Hier leben Menschen in den abgelegenen Estancias und bei dem Patagonischen Wind und dem welchselhaften Wetter ungeschützt auf den Bus warten zu müssen wäre bestimmt kein Vergnügen.




In Villa Tehuelches machen wir Mittagshalt und bekommen gerade mal noch die zwei letzten Sandwiches. Weitere werden nicht gemacht und die Serviertochter, Besitzerin, Köchin oder was sonst auch immer, schaut im TV irgendeine „Soap“ und ist ganz offensichtlich froh, dass wir als die letzten Gäste endlich verschwinden. Nachkommende Gäste werden abgewiesen; nicht gerade geschäftstüchtig.


Kurz nachdem wir das erste Mal den „Estrecho de Magallanes“ (die Magellanstrasse) erblickt haben, biegen wir ab in Richtung Seno Otway, dort soll es eine grosse Magellan-Pinguin-Kolonie geben. Angekommen beim privaten Parkeingang erfahren wir, dass lediglich etwa 10 Stück dort sein sollen und es fängt auch noch an zu schütten. So fahren wir wieder zurück auf die Hauptstrasse und gelangen bald nach Punta Arenas, der Hauptstadt der Region Magallanes. Sie ist die südlichste Kontinentalstadt der Welt mit etwa 130.000 Einwohnern. Punta Arenas (Sandige Sptze), wurde Mitte des 19. Jh. als Militärstützpunkt und Strafkolonie gegründet, entwickelte sich aber schnell zu einer wichtigen Hafenstadt. Bis zum Bau des Panama-Kanals, welcher 1914 eröffnet wurde, nahmen alle Schiffe die Route durch die 1520 von Fernando Magellan erstmalig entdeckte Ost-West-Passage. Nicht nur die Handelsschiffe, deren Güter für chilenische oder peruanische Häfen bestimmt waren, machten hier einen Zwischenstopp, auch Auswandererschiffe, deren Passagiere eigentlich ihr Glück bei der Goldsuche in Kalifornien finden wollten. Einige Auswanderer blieben aber im südlichen Teil von Chile, denn auch hier gab es Gold, „weisses Gold“. 1876 hatten die Einwanderer die Erlaubnis zur Schafzucht erhalten. Land war billig und reichlich vorhanden, das Klima bekam den Schafen, und so begann mit der Wolle der Aufschwung der Region: „Alles war Schaf“, so lapidar beschreibt der Regionalhistoriker Mateo Martinic die goldenen Jahre von Punta Arenas. Die Besitzer der riesigen Schaf-Estanzias der Umgebung liessen sich repräsentative Häuser im Stadtzentrum erbauen. Vom Boom angezogen kamen Auswanderer aus ganz Europa als Handwerker und Geschäftsleute in die Stadt. Man sieht heute noch Schweizerische, Kroatische, Englische und Deutsche Namen auf Tür- und Reklameschildern sowie auf den Gräbern des Friedhofes.




Dieser ist einer der schönsten und interessantesten ganz Chiles und wurde zum Nationaldenkmal erklärt. Säulenförmig geschnittene Zypressen säumen die Alleen. Nahe des Eingangs steht das haushohe Mausoleum der Familie Braun-Menendez, ein fester Block aus schwarzem Marmor. Die Familie Mauricio Braun und Josefina Menendez gehörten zusammen mit der Familie Jose Nogueira und Sara Braun zu den reichsten Viehzüchterfamilien in der Stadt. Beide Familien hatten an der Plaza ihre Stadtpalais, heute sind dies ein Nobelhotel und ein Regionalmuseum.




An der acht Kilometer langen Uferpromenade mit Radwegen und Aussichtspunkten stehen aus Beton gefertigte Schiffsbugs, die an die frühen Seefahrer erinnern sollen.


Über Nacht stehen wir alleine auf einem Parkplatz an der Av. Independencia. Am Morgen nach dem Erwachen sehen wir, dass uns  zahlreiche Autos blockieren. Wir warten auf die nächstbeste Gelegenheit und machen uns aus dem Staub, fahren an die Uferpromenade, wo wir für die nächste Nacht stehen bleiben (ohne Probleme). Wir besuchen den Friedhof, spazieren durch die Haupteinkaufsstrassen, sehen den Plaza de Armas und die Stadtpalais der ehemaligen Schafszüchter. Am Abend lassen wir uns infolge starken Windes in den Schlaf schaukeln.
In der Mall öffnen die Geschäfte erst um 11 Uhr und so tätigen wir lediglich einige Einkäufe im Lebensmittelgeschäft. Wir entschliessen uns anstatt mit der Fähre von Punta Arenas nach Porvenir, auf der Strasse in Richtung Argentinien zu fahren. Die Strasse ist gut und so kommen wir zügig voran. Unterwegs passieren wir die Estanzia San Gregorio welche 1862 gegründet wurde und in der Blütezeiten 90000 Hektar Land umfasste. Sie wird heute von einer Kooperative bewirtschaftete.


Die Estanzia aus  früherer Zeit mit Kapelle, Laden, Unterkünften und Lagerhallen in denen noch tonnenweise alte Schaffelle lagern, sieht heute eher ein Geisterstadt ähnlich. An der Küste vor der Estanzia rosten einige alte Schiffswracks vor sich hin.


. In Punta Delgada müssen wir lediglich einige Minuten warten, bis wir auf die Fähre fahren können. Da gerade kein Wind geht, ist die kurze Überfahrt ruhig und angenehm. Willkommen auf der Isla Grande de Tierra del Fuego (Feuerland).


Der Archipel, bestehend aus der Hauptinsel Feuerland und einigen südlich vorgelagerten Inseln, ist der südlichste Punkt der Erde, der nicht vom ewigen Eis überlagert ist. Hier liegt die südlichste Stadt der Erde, Ushuaia und das aus seefahrerischer Sicht, berüchtigte Kap Hoorn, dem südlichen Abschluss der Inselgruppe, wo Atlantik und Pazifik aufeinandertreffen. Die Hauptinsel Feuerland erinnert landschaftlich stark an Patagonien. Im Norden erstreckt sich weites Tafelland, im Süden folgt der letzte Ausläufer der Kordilleren, die hier doch noch Höhen von etwa 2500 m erreicht. Traditionell lebt die Insel von der Viehwirtschaft, den Schafen und der Wolle. Dazu kommen die Fischerei und die Verwertung von Holz. Auch der Tourismus wird immer wichtiger. Auf der Landkarte ist die Hauptstrasse als Teerstrasse markiert. Nach etwa 40 Kilometer aber beginnt eine holprige Schotterpiste, nicht in einem sehr guten Zustand. Ernest bemerkt ein Schäppern, ein bekanntes Geräusch, dass wir bereits einmal auf einer Naturstrasse auf Bahia California hatten. Er kontrolliert die Scheibenbremsenabdeckung, von wo das Geräusch herrührt und kann feststellen, dass diese bereits wieder angerissen sind, obwohl wir alle in der Schweiz bei MAN ersetzen liessen. Wir fahren weiter, bald aber ist es so weit und das immer lauter werdende Geräusch deutet darauf hin, dass das Teil wieder ab ist. So bleibt uns wieder nichts anderes übrig (wie schon auf Bahia) als das Rad runter nehmen und die Abdeckung entfernen. Wir haben aber totales Glück, es windet nicht und es regnet nicht und so ist die Angelegenheit schon fast „Routinearbeit“ und in etwa einer halben Stunde erledigt. Beruhigt fahren wir weiter zur Bahia Inutil, nach Onaisin. Hier hat sich eine kleinere Kolonie von Königspinguinen angesiedelt – die einzige in ganz Südamerika.




Obwohl der Park schon zu ist, lässt uns die diensthabende Aufsichtsperson, eine nette junge Dame welche sehr gut Englisch spricht, noch hinein und so können wir ganz alleine die herrlichen Tiere, doch etwa 100 in der Zahl, in ungewohnter Umgebung (auf grüner Wiese) bewundern. Es ist gerade Balzzeit und hie und da geraten einige Männchen aneinander und teilen mit ihren Flossen Schläge aus. Ebenfalls beobachten können wir einen riesigen Biber, der eine Zeitlang gemütlich in der Wiese hockt und dann im Wasser davonschwimmt.




Wir erleben einen herrlichen Sonnenuntergang und können auf dem Parkplatz des Parks über Nacht stehen bleiben. Ebenfalls auf dem Parkplatz stehen Johannes und Yvonne, ein Paar aus Deutschland. Ernest will die rechte vordere Scheibenbremsenabdeckung sicherheitshalber entfernen, kann aber trotz gutem Werkzeug die Radmuttern nicht lösen. Es muss fast so sein, dass in irgendeiner Werkstatt diese maschinell zu fest angezogen wurden. Ist nur zu hoffen, dass die Scheibenbremsabdeckung bis Ushuaia hält und wir unterwegs keinen Plattfuss einfangen. Wir sind davon bisher auf der ganzen Reise verschont geblieben, sicher auch, weil wir mit tipptoppen Reifen unterwegs sind und diese letztes Jahr, obwohl eigentlich noch nicht notwendig, in der Schweiz erneuert wurden. In manchen Reiseberichten lesen wir, dass Reisende zum Teil bis zu 9x innert kürzester Zeit ein Plattfuss infolge schlechter Strasse (und wohl auch schlechten Reifen) „eingefangen“ haben.
Nochmals gehen wir in den Park und treffen auf einen deutschen Pinguinforscher, welcher gerne alle unsere Fragen beantwortet und uns von seiner Forschungsarbeit berichtet. Er arbeitet am neuen Projekts zur Ernährungsökologie von Königspinguinen in der Bahía Inútil in der Magellanstraße, Chile (Projekt 28/14 – weitere Informationen siehe www.antarctic-research.de).Im Auftrag der Stiftung Antarctic Research Trust mit Sitz welche dem Zoo in Zürich angegliedert ist, will erforscht werden, von was sich diese Pinguine hier ernähren und wo sie auf Nahrungssuche gehen. Königspinguine, so lernen wir, ernähren sich normalerweise von Leuchtgarnelen, welche sie in viele hundert Meter Tiefe im Meer jagen und fressen.


Da die Bucht, in welcher sie hier ansässig sind, nicht sehr tief ist und es hier auch keine Garnelen gibt ist dies eine Forschungsarbeit wert. So wurden an einigen Pinguinen Sender angebracht und auf dem Bildschirm kann verfolgt werden, wo und wann die Pinguine hier auf Nahrungssuche gehen. Leider haben hier die kleinen Pinguine kaum Überlebenschance, da beide Elternteile zur Nahrungssuche zu lange weg sind und zu wenig kleine Pinguine zurück bleiben um sich gegenseitig wärmen zu können. Pinguine hier von Hand aufzuziehen scheint auch nicht sinnvoll, da sie sich zu schnell an die Menschen gewöhnen.
Der letzte Grenzübergang von Chile nach Argentinien geht wieder einmal problemlos vonstatten. Innert fünf Minuten sind wir durch den Chilenischen Zoll und innerhalb weiteren 5 Minuten in Argentinien eingereist – ohne irgendwelche Lebensmittelkontrolle. Die zwei Zollstationen liegen etwa 15 Kilometer auseinander und die Strasse ist zurzeit noch schlecht. Es wird aber daran gebaut. Nach dem Zoll von Argentinien ist die Strasse wieder geteert und wir sind froh, dass die zweite Scheibenbremsabdeckung gehalten hat. 


Durch das weite Tafelland fahren wir vorbei an Rio Grande, der Stadt mit den meisten Einwohner auf Feuerland und können in der Ferne bereits die Darwin Kordilleren mit ihren schneebedeckten Gipfeln sehen. Bald wird es hügelig und die Vegetation ändert sich stark.
Wir fahren, leider bei Regen und Graupelschauern, durch wunderbare Wälder und Hochmoore, vorbei am Lago Fagnano und Lago Escondido.


Etwa 20 Kilometer vor Ushuaia befindet sich das Skigebiet der südlichsten Stadt der Erde. Hier haben die Schweizer Skifahrerinnen und die Techniker Männer im September ihr Training absolviert. Grosse Eingangstürme empfangen alle Besucher von Ushuaia. Wir parkieren am Hafen in der Nähe der Anlegestelle der Ausflugs- und Kreuzfahrtenschiffe und verbringen auch hier die Nacht.


Die Lage der „Bucht, die nach Osten sieht“, so die wörtliche Übersetzung des Indianerwortes Ushuaia, ist einzigartig. Vor der Stadt das eisblaue Meer, dann mehrere Reihen bunt gestrichener Häuser und dahinter die etwa 1500 Meter hohen, aber auch im Sommer schneebedeckten Berggipfel.


Sehenswert sind das Mueso del Fi del Mondo mit der Natur- und Kulturgeschichte des Archipels und das Presidio, Museo Maritimo de Ushuaia. Das Presidio verweist auf ein düsteres Kapitel der Geschichte Feuerlands. Sträflinge waren unter den ersten Bewohnern der Insel, neben den reichen Estanzieros und deren Untergebenen. Im Dezember 1902 waren die Häftlinge nach Ushuaia verlegt worden „aus humanitären Gründen“ wie es hiess. Ein gewisser Fortschritt war der „Wohnsitzwechsel“ tatsächlich, waren die Sträflinge im 19. Jh. doch noch weiter entfernt von jeder Zivilisation gehalten worden: auf den Islas de los Estados beim vermeintlich südlichsten Leuchtturm von Patagoniens. Die wenigsten Häftlinge haben infolge der damaligen Haftbedingungen den Ort lebendig verlassen, zumal sie harte Arbeiten leisten mussten. Sie bauten die Zugtrasse, die von Ushuaia Richtung Nationalpark führt und auf der heute ein Touristenzug verkehrt. 1947 wurde das Presidio als Gefängnis aufgelöst und seitdem gehört das Gelände zum Militärstützpunkt. Ein weiteres düsteres Kapitel von Feuerland ist die faktische Ausrottung der damaligen Ureinwohner. Im 17. Jh. gab es etwa 10.000 Ureinwohner auf den Inseln, 1910 wurden noch ungefähr 350 Menschen gezählt. In nur 50 Jahren - erst um 1860 hatte die Besiedlung durch die Weissen begonnen – waren die Ureinwohner faktisch ausgerottet worden. Den Eingeborenen wurde die Lebensgrundlage genommen. Die Gründe dafür waren die brutale Landnahme (für einen toten Indianer wurde teilweise ein Pfund Sterling bezahlt), die eingeschleppten Krankheiten, das Einsperren der Indianer in Reservate sowie das grenzenlose Überjagen der Meeressäuger durch die Weissen.


Auf dem Campingplatz Rio Pipo bekommen wir einen Stellplatz und finden auch gleich den Ort, wo Bob während des Heimurlaubes über Weihnachten/Neujahr stehen bleiben kann.  



Kurzgeschichte 24/2014 – Kraftverlust, quietschende Motorbremse, Bremsscheibenschutzbleche und Radbolzen, Heizung, Tankanlage usw.
Ernest ist, in Bezug auf Bob, in der Regel nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Das Problem mit dem Kraftverlust konnten wir in Cusco in der Werkstatt bei Nilo bereits lösen. An das Quietschen der Motorbremse haben wir uns gewöhnt. Das Problem mit dem Bremsscheibenschutzblech vom linken Vorderrad konnte wie oben beschrieben schnell behoben werden. Mehr zu schaffen gemacht haben ihm die Radbolzen, welche mitgedreht haben und manuell nicht gelöst werden konnten. Erst als die Radmuttern in einer Werkstatt maschinell entfernt werden konnten und MAN Schweiz das OK für die Weiterfahrt trotz Beschädigung der Radnaben gegeben hat, war er erleichtert.  Die Heizung in der Wohnkabine funktioniert seit geraumer Zeit auch nicht mehr richtig, egal in welcher Höhe, und springt nur an, wenn für ein paar Minuten das Heizsystem von der Fahrerkabine aus aktiviert wird. Da die Wohnkabine aber äusserst gut isoliert ist, mussten wir nie bei weniger als 17,5° schlafen – war absolut erträglich. Die Tankanlage funktioniert bekanntlich auch nicht richtig. Es wird nur Diesel aus Tank 1 verbraucht. Das Umstellen auf Tank 2 geht nicht. Zwar könnten wir immer wieder die Sicherung erneuern oder eine stärkere Sicherung einsetzen, das Problem wäre damit aber auch nicht gelöst und so wird wenn immer möglich Tank 1 gefüllt und mit den 300 Liter Diesel fahren wir doch über 1000 Kilometer weit.
Auf Grund von Gesprächen mit anderen Reisenden mussten wir lernen, dass jeder, wirklich jeder, mit kleineren oder grösseren Problemen konfrontiert wird.
Wir können uns trotz der kleinen Unannehmlichkeiten glücklich schätzen, nie einen Unfall gehabt zu haben. Dies ganz sicher auch dank Ernest’s umsichtiger und professioneller Fahrweise – Danke Schatz.




2014Ushuaia-Buenos Aires–ZürichKMKoordinaten/Uebern’ort/M.ü.M
01.12.2014/Mo Ushuaia0-54.827755S,-68.361272W/25
02.12.2014/DiUshuaia (Werkstatt)32-54.827755S,-68.361272W/25
03.12.2014/MiUshuaia0-54.827755S,-68.361272W/25
04.12.2014/DoUshuaia  (Maja/René)36-54.827755S,-68.361272W/25
05.12.2014/FrUshuaia–Buenos Aires (Flug)
06.12.2014/SaB. Aires – Amsterdam (Flug)
07.12.2014/SoAmsterdam – Zürich (Flug)


Wochenbericht  07.-07.12.2014 / Ushuaia - Zürich
Ernest will heute das rechte Vorderrad wegnehmen, um vorsichtshalber die bereits bei den Schrauben angerissene Radabdeckung zu demontieren. Auch unter Mithilfe von weiteren starken Männern gelingt dies nicht. Der Radbolzen dreht sich mit – kein gutes Zeichen! So beschliessen wir, morgen eine Werkstatt aufzusuchen. Ebenfalls auf dem Campingplatz stehen Jürgen und Gaby aus Ratzeburg. Sie sind mit Ihrem Datsun mit Aufbau unterwegs und erholen sich immer noch von ihrem Unfall. An der Ostküste auf Valdez ist ihr Fahrzeug auf einer schlechten staubigen Schotterstrasse, welche sich nach heftigem Regen in eine Schmierseifenstrasse verwandelt hat, von der Strasse abgekommen und gekippt. Die Feuerwehr musste das stark beschädigte Wohnmobil wieder aufrichten. Das Fahrzeug konnte innert zwei Wochen durch geschickte einheimische Mechaniker wieder in Stand gestellt werden. Mit den Zweien haben wir sehr nette Gespräche und können viele Reiseerlebnisse austauschen. 
Ebenfalls auf dem Campingplatz steht ein Fahrzeug der Firma Kondor-Tours mit den Reiseleitern Petra  und Frank Eggert, welche schon seit 2001 zum Kondor-Team gehören und Gäste durch Chile und Argentinien führen. Ihr Kondor-Reisefahrzeug ist eine Spezialkonstruktion mit 12 komfortable Reisebussitzen (siehe www.kondor-tours.de). Petra und Frank können uns viele Tipps und Anregungen geben und dafür möchten wir ihnen hiermit nochmals herzlich danken. Am Morgen geht es zuerst zum Restaurant El Almacen.


Ein spezielles Lokal, eingerichtet wie ein kleines Museum mit vielen alten Gegenständen wie z.B. Spielzeugen, Kassen, Flaschen, Werkzeug usw. Dazu gehört eine kleine Bäckerei mit leckerem Gebäck und gutem Brot.


Hier gönnen wir uns ein ausgiebiges Frühstück bevor wir in die Werkstatt fahren, um unser Reifenproblem zu lösen. Ernest erklärt dem Mechaniker das Problem und dieser meint, dass sei keine grosse Sache. Er holt seinen grossen Schlagschrauber und löst damit, teilweise mit grossem Kräfteaufwand, die „verhockten“ Radmuttern. Ernest ist sehr erleichtert, dass dies bei allen Rädern gelingt – er war äusserst skeptisch und hat sich schon Gedanken gemacht, wie der Bob zurück nach Montevideo für die Rückreise nach Europa kommt. Ernest zieht die Radmuttern von Hand mit seinem Drehmomentschlüssel an, wir bezahlen 12 Dollar und können die nicht gerade ordentlichste Garage verlassen.


Weiter geht es zur Gas-Station, auch die Gasflasche soll noch gefüllt werden. Auch hier keine grosse Sache, umso Mehr, als die Flasche noch fast voll war. Bezahlen mussten wir gar nichts. Zurück im Rio Pipo wird dann noch die Bremsabdeckung am rechten Vorderrad entfernt und gleichzeitig können wir sehen, dass teilweise die Radbolzen die Radnaben beschädigt haben. MAN Schweiz gibt aber Entwarnung und eine sorglose Weiterfahrt ist problemlos möglich. 


Heute Mittwoch ist ausgiebige Innenreinigung angesagt. Kaum vorstellbar, wie viel Staub und Dreck sich in den Sitzpolstern und in allen Ecken und Ritzen im Fahrzeug angesetzt haben. Zum Glück spielt das Wetter mit und so können wir den Bob mal gründlich ausräumen, die Sachen ausklopfen und die Reinigung gründlich vornehmen. Nach getaner Arbeit wird noch gepackt, übermorgen geht unser Flug nach Buenos Aires.
Ernest will wieder einmal die Schneeketten montieren um in Übung zu bleiben – ganz alleine!


Gelingt einwandfrei und ist kein Problem, auf trockenem Untergrund. Wie das dann allenfalls zu meistern ist, wenn dies im Schnee oder im Morast gemacht werden muss – das wissen die Götter, denn eine Kette wiegt gut 25 Kilo. Im Internet „Tracke“ ich die MS Bremen, welche morgen früh um 6 Uhr im Hafen von Ushuaia einlaufen soll.  Meine Schwester Maja und Ihr Mann René sind mit diesem Schiff auf einer Antarktis-Kreuzfahrt unterwegs mit Ziel Ushuaia und wir wollen sie überraschen – sie wissen nicht, dass wir schon in Ushuaia sind. Da das Schiff nur noch etwa zwei Stunden von Ushuaia entfernt ist, versuche ich Maja per SMS zu erreichen und erhalte sofort eine Antwort. Tatsächlich laufen sie schon heute Abend ein.


Wir fahren wieder zum Hafen und wir treffen und für einen Apéro im Bob.


Anschliessend geht es zum Restaurant Tia Elvira, eines der besten Restaurants in Ushuaia, zum Nachtessen. Hier speisst auch der Kapitän der MS Bremen mit einem Teil seiner Crew. Wir geniessen den Abend und freuen uns sehr, dass die Antarktis-Kreuzfahrt ein tolles Erlebnis war und das Wetter in allen Belangen (wenig Wind, keine grossen Wellen, viel Sonne usw.) mitgespielt hat. Der Kapitän wusste zu erzählen, dass er diese Fahrt schon seit 10 Jahren durchführt und noch nie so einmalige Verhältnisse geherrscht hätten. Selbst eine Fahrt um das Kap Horn auf spiegelglatter See hätte er noch nie erlebt.


Bob wird nochmals “getäschelt” und mit dem Taxi geht es zum Flughafen. Obwohl wir mit verschiedenen Flugzeugen nach Buenos Aires fliegen, treffen wir Maja und René wieder auf dem Flughafen.




Am Abend wollen wir gemeinsam in Buenos Aires noch eine Tango-Show besuchen. Das Internet auf dem Flughafen ist schlecht und eine Buchung gerade nicht möglich. Der Flug ist ruhig und angenehm und meist sehr sichtig. Die grossen Weiten von Patagonien sind selbst „von Oben“ beeindruckend. Bei etwa 5° sind wir in Ushuaia gestartet und Buenos Aires erwartet uns bei einer Temperatur von angenehmen 25°. Nochmals treffen wir Maja und René bei der Ankunft am Gepäckrondell. Mit einem Taxi geht es zum Hotel Claridge. Der Taxifahrer versucht uns noch mit einem stark überhöhten Preis „über den Tisch zu ziehen“. Als Ernest sich an der Reception über den effektiven Preis für die Fahrt von Stadtflughafen zum Hotel erkundigt, merkt das der Chauffeur und reduziert seinen Preis um die Hälfte – ohne Diskussionen! Zu Fuss geht es zur nächstgelegenen Shoppingmall. Auch hier ist Swarovski mit einem zauberhaft geschmückten Tannenbaum gegenwärtig.


Ins Auge stechen Ernest auch die hübschen langbeinigen „Engel“! Die Tangoshow mit Nachtessen im Esquina Carlos Gardel zusammen mit Maja und René ist ein toller Abschluss unserer Reise. Es werden sowohl klassische wie auch moderne Elemente des Tangos getanzt, was uns speziell gefällt.


Die Fahrt vom Hotel bis zum Internationalen Flughafen EZE dauert gute anderthalb Stunden. Mit fast einer Stunde Verspätung hebt KLM Richtung Amsterdam ab.
Da wir viel Rückenwind haben, dauert die Flugzeit anstatt 13.20 Stunden eine Stunde weniger und so kommen wir pünktlich in Amsterdam an und haben genügend Zeit zum Umsteigen. In Zürich erwarten uns Alexander und Sarina, Oliver, Michèle, Marc und Anouk und sind glücklich unsere Lieben wieder in die Arme schliessen zu können.


Kurzgeschichte 25/2014 – Ende der Reise durch die Amerikas für mich
Etwas wehmütig ist mir schon, denn für mich ist die Reise im Bob durch Südamerika zu Ende. Ich bin etwas Reisemüde geworden und werde die kommende Zeit in Zürich und Davos mit Calou und unserer Familie geniessen. Ernest wird Mitte Januar mit Doriana, einer langjährigen Freundin von uns (noch aus der Imholz-Zeiten!) wieder nach Ushuaia fliegen und mit Bob nordwärts nach Monteviedo fahren. Von dort aus wird Bob nach Europa verschifft und dann wird auch die Reise durch die Amerikas auch für Ernest nach dreijährigen Reisezeit zu Ende sein.
Aber….. schon wieder machen wir uns Gedanken, wo die nächste Reise innerhalb Europa hinführt. Favorit ist Griechenland/Peleponnes im Spätsommer!!!  


P.S. Ernest und Doriana werden weiter Tagebuch führen, dies wird aber erst nach deren Rückkehr ins Internet gestellt.