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2012       Guatemala - Honduras  km
29.10.2012/Mo       Antigua0
30.10.2012./DiAntigua - Rio Dulce/Flores (via Guatemala City)        329
31.10.2012/MiRio Dulce - Livingstone (mit Boot)0
01.11.2012/DoLivingstone0
02.11.2012/FrLinvingstone0
03.11.2012/SaLivingstone - Rio Dulce/Flores (mit Boot)0
04.11.2012/SoRio Dulce/Flores, Guatemala - Copan, Honduras265

Wochenbericht 29.10.-04.11.2012 / Guatemala – Honduras
Ein weiterer gemütlicher Tag in Antigua. Das Wetter ist gut und so geniesse ich die Sonnenstrahlen im bequemen Campingstuhl und Sticke – Weihnachten ist ja schon recht nahe. Ernest ist am Computer. Später wird noch Wasser aufgefüllt und ein letztes Nachtessen in der Stadt in der Circus Bar, welche auch hier in Antigua wiederum mit vielen Zirkus Knie Plakaten bestückt ist.
Am frühen Morgen geht es weiter in Richtung Guatemala City. Schnell finden wir die richtige Strasse und fahren auf dem vierspurigen „Highway“ in die Hauptstadt Guatemalas, allgemein als „Guate“ bekannt. Die einen finden die Stadt gross, dreckig, gefährlich und getrost zu vernachlässigen (zu diesen gehören wir) und andere hingegen gross, dreckig, gefährlich und faszinierend. Prompt verpassen wir die Ausfahrt auf die Umfahrungsstrasse und gelangen in ein grösseres Verkehrschaos. Ernest ist gar nicht begeistert, das Fahren in dieser Stadt ist echt anstrengend, da auch hier wieder die vielen alten Busse, genannt „Chicken-Busses“ ihr „Unwesen“ treiben. Nach einer knappen Stunde Stau und Stop&Go Verkehr sind wir dann tatsächlich auf der Umfahrungsstrasse und können dem Hauptverkehrsstrom mit vielen Lastwagen der Stadt hinaus folgen. Zu unserer Überraschung fahren wir sicher gut 80 Kilometer auf bestens ausgebauter Autobahn – ohne Tumulos. Auch die restlichen etwa 160 Kilometer können wir auf recht guter Strasse zurücklegen. Nach der Überfahrt der riesigen Brücke über den Rio Dulce, am Lago de Itzabal (Lake Izabal) finden wir nach kurzen Rückfragen schnell den empfohlenen Parkplatz von „Bruno‘s“.



Hier wollen wir unseren Bob für einige Tage stehen lassen. Wir erkundigen uns für eine Bootsfahrt nach Livingstone. José „buchen“ wir für den nächsten Tag, er wird uns mit einem Privatboot zur Karibikküste fahren. Vor Bruno’s Restaurant liegen viele Segelyachten vertäut, die meisten in einem eher schlechten Zustand. So sehen auch die an der Bar sitzenden Kapitäne/Bootseigner aus – die meisten arg „verlebt“ und ganz offensichtlich dem Alkohol nicht abgeneigt. Wie wir hören, verbringen diese Leute hier ihren Lebensabend, unter anderem auch ein Schweizer Paar, ursprünglich von der Goldküste. Nach einem kurzen Gespräch meinen wir: „Wir sehen uns sicher noch“ – Sie meint: „Ja gerne, auf unsere Boot kann ich Euch aber wegen unserer riesigen Sauerei nicht einladen“!!! Es scheint uns, dass sie sich den örtlichen Gegebenheiten bestens angepasst haben!
Pünktlich steht José bereit und zuerst fahren wir zum nahegelegenen „El Castillo de San Felipe“, der Festung von San Felipe de Lara, welche im Jahre 1652 erbaut wurde, um den plündernden Piraten Einhalt zu gebieten, die es auf die Dörfer und Handelskarawanen in Izabal abgesehen hatten.



Wie wir im Führer nachschlagen können, funktionierte dies nur bedingt, ein paar Freibeuter eroberten und verbrannten die Festung 1686. Was heute zu sehen ist, ist eine Rekonstruktion aus dem Jahre 1956. Wir finden, trotzdem sehenswert und eindrücklich und der dazugehörende Park, Teil eines Schutzgebietes, ist sehr hübsch angelegt. Entlang des Rio Dulce sehen wir zahlreiche, schön der Landschaft angepasste, Ferienhäuser oder kleine Hotels. Die meisten sollen Ausländern gehören oder von Ausländern betrieben werden. Zudem liegen viele Segelschiffe am Rio Dulce vertäut, es scheint hier tatsächlich ein bevorzugter Überwinterungsplatz zu sein. Nach einer recht ruppigen Fahrt auf der Laguna, mit kleinen giftigen Wellen, zeigt uns Josè unterwegs noch zwei Inseln, auf welchen gerade die Kormorane nesten sowie eine nette Bucht mit vielen Seerosen und Kindern in Einbäumen, welche natürlich ihre Ware, Armbänder und Halsketten aus Muscheln, verkaufen wollen.



Ebenfalls angeboten werden etwa im Durchmesser von 30cm grosse Seesterne.



Sie sehen zwar schön aus, aber sie stinken grässlich. Bei einer heissen Quelle wird nochmals ein Halt eingeschaltet und Ernest besucht mit einem Führer die dazugehörende kleine Höhle.



In dieser Höhle findet man Stalaktiten und Stalakmiten. Ernest erklärt dem Führer, wie er sich merken kann, was Stalaktiten und Stalakmiten sind – Stalaktiten wird abgeleitet von „Titten“ und hängen!!! Und Stalakmiten sind eben diejenigen welche vom Boden aus wachsen, d.h. von „unten nach oben“. Der Führer findet das irre witzig und kann sich lange nicht erholen. Kurz vor Livingstone führt die Fahrt auf dem Rio Dulce durch einen Canyon und der Fluss mündet dann ins offene Meer. Wir werden gleich zum Steg der „Casa Rosada“ gefahren (ein Tipp von Simone und Olav – danke) und von Izmahel begrüsst.



Die Casa Rosada ist ein hübsches, kleines und sehr sympathisches Hotel mit kleinen, sauberen Bungalows, die sich rund um den tropischen Garten angliedert sind. Bald machen wir uns auf den Weg in die kleine Stadt.



In der Stadt leben grösstenteils Garifunas, Schwarze Kariben, welche von versklavten Afrikanern abstammen, die einst in die Neue Welt verschifft wurden. Nach einer Revolte auf der Karibikinsel St. Vincent vor Venezuela 1795 wurden die Garifuna von den Briten erst auf die benachbarte Insel Baliceaux, wenig später dann auf der honduranischen Insel Roatàn angesiedelt. In der Folge liessen sich die Garifuna entlang der Karibikküste von Belize bis Nicaragua nieder. Mischehen mit anderen Kariben, Mayas und schiffbrüchigen Matrosen anderer Herkunft förderten das Entstehen einer vielfältigen Kultur. So enthält die Sprache der Garifuna afrikanische, indigene und europäische Elemente.



Auf unserem Spaziergang entdecken wir eine Gruppe Kinder, welche sich an einer steilen Strasse mit „Schlitteln“ vergnügen. Die „Schlitten“ sind Plastikharassen und erfüllen ihren Zweck absolut. Ernest fotografiert und wird gleich von den meisten Kindern aufgefordert, von ihnen ebenfalls ein Bild zu schiessen – die finden das irre toll, sich dann in der Kamera wieder zu sehen.



Zurück in der Casa Rosada buchen wir für den kommenden Tag bei Izmahel einen Führer, welcher uns die Stadt und die Los Siete Altares zeigen soll. Ein vorzügliches Nachtessen gibt es im Hotel.
 Am Donnerstag werden wir von „Pichi“ abgeholt. „Pichi“ ist ein 58-jähriger Garifuna mit gehäkelter Karibikkappe, unter welcher er seine Haarpracht versteckt. Er läuft Barfuss, trägt kurze Hosen und ein halbes T-Shirt (von der Taille bis zur Brust abgeschnitten) – eine spezielle Gestalt.



Mit einem Taxifahrer, der während der Fahrt noch kurz für 30 Quezales (CHF 2.40) tankt, geht es bis zu einer Hängebrücke – hier endet die Strasse. Wir folgen etwa 30 Minuten zu Fuss dem Strand, welcher leider auch hier übersät ist mit Unrat, vorwiegend Plastikzeug.



Auf dem Weg sehen wir  frei herumlaufende Schweine, Hühner, kleine Häuser, wo die Garifunas zu Hause sind und hie und wieder ein kleines Restaurant. Kurz vor den „Los Siete Altares“ bezahlen wir beim „König“ einen Eintritt und folgen dem Bachlauf zu den Süsswasserfällen und Naturschwimmbecken. Der Bach führt nicht viel Wasser und so sehen wir eigentlich keine Wasserfälle, sondern nur Naturschwimmbecken.



Diese sind aber sehr reizvoll und Ernest wagt sogar ein Bad. Da es bewölkt ist und recht windig und somit eher kühl, verzichte ich auf einen „Schwumm“. Wieder beim „König“ angelangt, nehmen wir einen Drink und etwas „Patatas con Pollo“ zu uns.



Der „Rey“  erzählt uns in sehr gutem Englisch von seinem früheren Leben in den USA (Santa Cruz) und seinem jetzigen hier in Livingstone. Er scheint mit seinem einfachen und spartanischen Leben hier sehr glücklich zu sein. Auf der Rückkehr besuchen wir noch den Friedhof. Da heute Allerheiligen ist, wird auch hier den Toten gedacht. Allerdings auf eine ganz andere Art als bei uns.



Man stelle sich vor: Auf dem Friedhof installiert ein Diskjockey seine Anlage, lässt die „Kübel“ so richtig mit Ragge-Rap volle Pulle laufen, zwei Bierhersteller offerieren zu 5 Quezales (CHF 0.40) eine Flasche Bier, auf den Gräbern wird getanzt, gesessen und gegessen – ein riesen Jubel und Trubel. Morgen Freitag soll ein noch grösseres Fest stattfinden. Demzufolge werden diverse Gräber wieder neu gestrichen und mit künstlichen Blumen aufgepeppt.



Am Horizont ziehen grosse Gewitterwolken auf und gerade noch rechtzeitig erreichen wir das Hotel. Es fängt an zu schütten wie aus Kübeln. Im gemütlichen, gedeckten „Outdoor-Restaurant“ geniessen wir ein wiederum vorzügliches Nachtessen.
Die ganze Nacht regnet es immer wieder sehr heftig, die natürlich gedeckten Dächer der Bungalows halten aber absolut dicht. Als am Vormittag mal kurz kein Regen fällt, entschliessen wir uns für einen Spaziergang in die Stadt und  wollen um 10 Uhr den angesagten Spezialgottesdienst besuchen. Im Dorf ist es, möglicherweise wegen der kühlen Witterung und des Regens, eher ruhig. Wir kommen zur Kirche und nichts „nada“ findet statt. Der Gottesdienst wird wegen infolge des Regens auf 18 Uhr verschoben. Weiter geht es zum Friedhof – auch hier ist nichts los. So wollen wir zurück zum Hotel und dann fängt es wieder an wie aus Kübeln zu giessen.



Dies zwingt uns zum Unterstehen und eine geraume Zeit sitzen wir da und beobachten die wenigen, die sich mit Schirm bestückt, sei es zu Fuss oder auf dem Fahrrad trotzdem auf die Strasse trauen.



Auf dem Rückweg will Ernest unbedingt noch einen Schirm kaufen, um für den nächsten Guss gerüstet zu sein. Tatsächlich schüttet es immer wieder und wir bleiben für den Rest des Tages im Hotel und lesen. Ernest packt es nach dem Nachtessen doch noch einmal und er geht in die kleine Stadt, in der Hoffnung, doch noch etwas Live-Musik zu hören. Nada – nach einer guten halben Stunde ist er zurück. Der Regen hat wohl das „Grosse angesagte Fest“ zu Nichte gemacht.
Im Laufe des Vormittages werden wir von einer „Lancha“, einem öffentlichen Boot, abgeholt, mit dem Ziel Rio Dolce.



Das Boot ist schon recht voll mit Touristen und Einheimischen. Die Fahrt ist sehr ruhig, da es fast keine Wellen gibt. Ein Paar will auf die „Yoga-Insel“ und es bedarf einige Anlegemanöver an falschen Orten, bevor die versteckte Insel gefunden wird. In Rio Dulce spazieren wir noch durch den Markt und sitzen bald wieder bei „Bruno’s“ im Restaurant. Hier haben wir Internetempfang und ich habe Gelegenheit, meine Tagebücher nachzuschreiben, da wir den Computer nicht nach Livingstone mitgenommen haben. Gegen Abend spielt ein „Garifuna“ Live-Musik. Ernest meint, er sei nicht gerade „der Brüller“ – aber der, sicher schon 70-jährige, gibt alles und zaubert etwas Karibikstimmung herbei, obwohl es wieder Schüttet und zwar so stark, dass die Regenschutzvorhänge runtergelassen werden müssen. Bald gesellt sich noch ein Musikerpaar (Amerikaner) dazu und die sind wirklich gut.



Er spielt Gitarre und singt, sie singt ebenfalls und spielt hammermässig Mundharmonika. Am Nebentisch sitzen zwei Guatemalteken, Mario und sein Bruder Salvatore, beide in etwa in unserem Alter und bald kommen wir ins Gespräch. Mario findet schnell heraus, dass der MAN/Bob uns gehört er ist vom Fahrzeug total begeistert. Er selber wohnt in Baton Rouge, Louisiana und will sich in absehbarer Zeit ebenfalls ein ähnliches Wohnmobil bauen lassen. Wie wir auf einigen Fotos sehen können, hat er bereits ein Fahrgestell im Auge. Ich komme sogar zu einem Tänzchen, allerdings nicht mit Ernest, sondern mit Mario. Man tanzt am Rande des kleinen Swimmingpools und es kommt, wie es kommen muss…. Einer der Gäste hat schon recht viel Oel am Hut und fällt prompt ins Wasser. Er hat Glück, dass er sich nicht verletzt. Während der ganzen Aktion hat er seine Bierflasche nie aus den Händen gegeben, auch unter Wasser nicht!.



Am Sonntag steht um 7.15 h wie abgemacht, Mario mit seinem Kaffeekrug und einem feinen Kuchenbrot aus Antigua auf der Treppe. Ernest zeigt ihm das Fahrzeug genauer und Mario ist dankbar für die vielen Tipps und Ratschläge. Nach einer guten Stunde verabschieden wir uns und fahren in Richtung Quirigua.



Die archäologische Stätte ist für die aufwendig verzierten Stelen bekannt. Die, bis zu 10,5m hohen Sandsteinmonolithen stehen in einem ruhigen Park mit tropischer Vegetation und sind tatsächlich ein Besuch wert.



Aus dem Flussbett des nahe gelegenen Rio Motagua förderten die Menschen riesige braune Sandsteinblöcke. Diese waren zunächst weich, härteten jedoch schnell aus – ideale Voraussetzungen um die gigantischen verzierten Steinstelen zu schaffen.



Weiter geht es nach Rio Hondo und wir finden die vielgepriesene „Zacapa Ron Distillerie“. Heute ist Sonntag – alles zu! Gestern Abend haben wir uns von der Qualität an der Bar bereits überzeugen lassen und finden den Rum in einem  Getränkeladen in Chiquimula. Auch eine Flasche für Hannes und eine für Michèle wird eingekauft. Nach einer guten Stunde Fahrt durch hügelige Landschaft kommen wir an den Grenzübergang von Guatemala nach Honduras in El Florido. Alles ist sehr relaxt, wir müssen nie anstehen und es wird uns in jeglicher Hinsicht geholfen. Am Guatemaltekischen Zoll bekommen wir einen Ausreisestempel in unseren Pass, dann wird das Fahrzeug wieder „exportiert“. Auch unsere Herkunft „Swaziland“ macht keinerlei Probleme – keine 15 Minuten und wir sind „draussen“. Am Honduranischen Immigrations-Zoll müssen wir zuerst ein kleines Formular ausfüllen, pro Person US$ 3.- bezahlen und bekommen einen Einreisestempel in den Pass. Es geht zum Fahrzeugimport. Eine nette Dame verlangt von uns je zwei Kopien vom Fahrzeugausweis, Führerausweis und Pass des Fahrzeughalters. Sie ist sehr beeindruckt, dass ich ihr all dies gleich übergeben kann. Vorsorglich haben wir diese Papiere mehrfach kopiert. Sie will dann noch zwei Kopien vom Guatemaltekischen Ausfuhrpapier, was wir natürlich nicht haben. Wir lächeln und fragen, wo wir diese Kopien machen lassen sollen – bei ihr stehen einige Kopierapparate rum. Zuerst will sie uns irgendwohin schicken, ist dann aber offensichtlich selber darauf gekommen, dass es doch viel einfacher ist, die Kopien mit ihrem schönen neuen Kopierer selber schnell zu machen. Wir bezahlen US$ 36.- für die Einfuhr des Fahrzeuges und Ernest erhält den Einfuhr-/Importstempel für das Fahrzeug in seinen Pass gedrückt. Bei der Weiterfahrt kontrollieren nochmals zwei Beamte die Einfuhrpapiere. Vielleicht weil Sonntag ist? - eine Desinfektion des Fahrzeuges wird nicht vorgenommen und auch sonst hat das Fahrzeug niemand kontrolliert. Es ist schon dunkel, als wir in Copan Ruinas ankommen. Die Beschilderung zu den Ruinas führen mitten durch die kleine Stadt – nochmals eine mittlere Herausforderung für Ernest! Irgendwie finden wir den Eingang zum erwähnten Zeltplatz gegenüber der Tankstelle nicht, können aber das Fahrzeug hinter der Tankstelle bei den Ruinas abstellen. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wir wollen noch an den Strom. Steckdose, (neues) Kabel, alles vorhanden, aber irgendwie klappt es nicht. Ernest flucht, also vertagen wir die Aktion auf den nächsten Tag.   

Kurzgeschichte 18/12 – Guatemala - Fazit
Guatemala hat uns grundsätzlich sehr gut gefallen. Die Vielfalt der Indigenen Bevölkerung ist enorm. Tatsächlich kleiden sich die meisten Guatemalteken in ihren traditionellen Trachten und entsprechend farbig kommt die Bevölkerung daher. Alle Guatemalteken, welchen wir begegnet sind und mit welchen wir gesprochen haben, sind ausnehmend freundlich und hilfsbereit. Insbesondere in den Bergregionen ist die Bevölkerung sehr arm und die Menschen leben in einfachen Hütten, meist nur in einem Raum. Leider ist auch hier das Problem mit dem Abfall nicht gelöst und überall liegt der „Basura“ (Abfall) in der Gegend herum. Dies, und wie die Tiere behandelt werden, hat uns am meisten missfallen.
Die grosse Mehrheit der 15 Mio. Einwohner lebt im Hochlandstreifen zwischen Guatemala-Stadt und Quetzeltenango, den beiden grössten Städten des Landes. 41% der Guatemalteken sind Indigenas, nahezu alle sind Mayas. Mayas, die unterschiedliche Mayasprachen sprechen, können sich nicht zwangsläufig untereinander verständigen und viele sprechen auch überhaupt kein Spanisch. Guatemala erstreckt sich über eine Fläche von fas 109000 km2 und besteht hauptsächlich aus bergigem, bewaldetem Hochland mit Urwald bewachsenen Ebenen. Im westlichen Hochland ragen 30 Vulkane in den Himmel, die südwestlich von Huehuetenango eine Höhe von über 4200m erreichen. Unter Guatemala stossen drei tektonische Platten aufeinander, was immer wieder Erdbeben und Vulkanausbrüche verursacht. Grosse Beben erschütterten das Land in den Jahren 1773, 1917 und 1976. 


     

2012Honduras - Nicaragua  km
05.11.2012/Mo     Copan0
06.11.2012/DiCopan - Gracias/Thermen del Rio       152
07.11.2012/MiGracias/Thermen del Rio - Comayagua        252
08.11.2012/DoComayagua - Teguicigalpa - Danli208
09.11.2012/FrDanli/Honduras - Leon/Nicaragua250
10.11.2012/SaLeon - Laguna Apoyo107
11.11.2012/SoLaguna Apoyo - Volcano Masaya12


Wochenbericht 05.-11.11.2012 / Honduras - Nicaragua
Am frühen Morgen wollen wir die letzte Mayastätte auf unserer Reise besuchen. Vorher aber will Ernest noch der Sache auf den Grund gehen, weshalb sich unsere Batterien mit dem Strom der Tankstelle nicht laden lassen. Jetzt haben wir ein schönes neues, langes Kabel und wieder klappt etwas nicht! Ernest holt das alte Kabel raus und siehe da, es funktioniert. Bald sehen wir, dass der Stecker des neuen Kabels regelrecht geschmoren ist und damit auch noch die Steckdose der Tankstelle! „Lumpenware“ meint Ernest.



Mit Interesse beobachten wir, wie die Tankstellenmitarbeiter einen guten Standort für das Internetmodem suchen (siehe Bild!) Keine zwei Minuten von unserem Standplatz entfernt liegt der Eingang zu den Archäologischen Stätten Copans. Wir bezahlen satte 22 US$ pro Person für den Eintritt ins Museum und den Park. Eine der wichtigsten aller Mayazivilisationen lebte, gedieh und verschwand dann auf mysteriöse Weise rund um diese Stätte, welche heute UNESCO-Welterbstätte ist. Nach Funden von Töpferwaren in der Gegend nehmen Wissenschaftler an, dass Menschen für über 2000 Jahre das Copan-Tal bevölkert haben. Während Tikal berühmt für seine höhen Tempelpyramiden und Palenque bekannt für seine Reliefplatten aus Kalk, ist Copan wesen seiner Skulpturen einzigartig in der Mayawelt.



Einige der schönsten Stücke werden in diesem Museum ausgestellt, welches im August 1996 eröffnet wurde.



Allein das Museum zu betreten, ist ein Erlebnis. Man geht durch den Mund einer Schlange und windet sich durch das Innere der Bestie, bevor man plötzlich in einer fantastischen Welt aus Skulpturen, Masken und Fresken steht. Das Glanzstück des Museums ist eine massstabsgetreue Nachbildung des Rosalia-Tempels, der 1989 in nahezu unversehrtem Zustand von den Archäologen entdeckt wurde.



Eine gute Stunde verbringen wir im Museum und können uns fast nicht satt sehen. Beim Parkeingang leben viele Macaws (Makaken-Papageien), sie sind gut zu beobachten und veranstalten einen riesen Lärm.



Auf dem Rundgang sehen wir die riesigen Stelen auf der grossen Plaza, die Aktropolis und denn Ballhof/Ballspielplatz, welcher der grösste überhaupt sein soll. Wir sind der Meinung, dass wir schon viel grössere (z.B. in Chichen-Itza) gesehen haben.



Die Hieroglyphen-Treppe, welche im Jahre 755 fertiggestellt und eingeweiht wurde, ist Copans berühmtestes Bauwerk. Die Treppe aus 63 Stufen erzählt die Geschichte in Form von mehreren Tausend Glyphen, und zwar die des Königshauses von Copan. Rampen, die mit weiteren Reliefs und Glyphen übersät sind, fassen die Stufen ein. Die Treppe trägt die längste antike Inschrift, die jemals in der Mayaregion gefunden wurde, und die längste präkolumbische indigene Inschrift auf der ganzen Welt. Die ganze Anlage ist sehr gepflegt und ein „Muss“ für jeden Honduras-Reisenden.



Wir sind länger als vorgesehen im Park und entschliessen uns, erst am nächsten Tag die Reise fortzusetzen. Nach einem kurzen Spaziergang durch die kleine Stadt gibt es bei Twisted Tanya’s „Happy Hour“ und Nachtessen.
Wie auch in Guatemala, ist die Landschaft von Honduras sehr hügelig. Auf akzeptabel ausgebauter Strasse, allerdings mit vielen Tumulos in den zahlreichen Dörfern, gelangen wir nach La Entrada und fahren in südlicher Richtung bis Santa Rosa de Copan. Mit der Besichtigung der Zigarrenfabrik La Flor de Copan, der wohl wichtigsten Touristenattraktion, wird es leider nichts. Wir kommen um 11 Uhr an und die nächste Führung ist erst um 14 Uhr. So lange wollen wir mit unserer Weiterreise nicht warten. Nach der Stadt stehen am Strassenrand viele Verkaufsbuden welche Feuerwerk anbieten.



Auch die Honduraner lassen es bei jeder Gelegenheit gerne „krachen“. Nach weiteren 50 Kilometer in südlicher Richtung erreichen wir die Thermen del Rio, kurz vor Gracias. Die Thermen legen in einem Tal am Rio Grande und umfassen 5 Becken mit Temperaturen von 28° bis 44°. Die ganze Anlage ist sehr hübsch und gepflegt und wir beschliessen gleich hier zu nächtigen. Im dazugehörenden kleinen Restaurant geniessen wir für CHF 5.- pro Person ein vorzügliches Nachtessen.



Wir fühlen uns hier sicher, da die Betreiber der Thermen auch hier wohnen. Sehr früh fahren wir los, unser Ziel heute ist (wäre) das Valle de Angeles in der Nähe von Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. Zuerst geht es flott die 7 km bis Gracias, einer kleinen, ruhigen Stadt mit Kopfsteinpflaster, welche im Jahre 1526 vom spanischen Kapitän Juan de Chavez gegründet wurde. Der eigentliche Name der Stadt lautete Gracias a Dios („Dank Gott“). Die Audiencia de los Confines, der regierende Zentralamerikarat, wurde hier am 16.4.1544 gegründet. Noch immer stehen die Gebäude, die der Rat für sich beanspruchte. Schliesslich stellten Antigua (Guatemala) und Comayagua die Bedeutung der Stadt in den Schatten. In unserem Führer Lonley Planet steht, wir zitieren: Mehrere kleine Städte in der Nähe von Gracias sind ebenfalls einen Besucht wert. Die Lenca stellen in dieser Gegend einzigartiges Kunsthandwerk her. Vor allem La Campa, eine malerische kleine Stadt 16km südlich von Gracias, ist im ganzen Land bekannt für ihre erstklassige schwarz-weiss Keramik. Auf unserer Karte ist die Strasse als Hauptstrasse eingezeichnet und so entschliessen wir uns diesen Weg zu nehmen.



Bald einmal fahren wir auf miserabler Naturstrasse mit vielen Löchern und Auswaschungen mehr holpernd als fahrend Richtung La Campa. Die Gegend ist extrem hügelig und wir hoffen, dass der Ort tatsächlich das zu bieten hat, was wir erwarten. Nach einer guten Stunde Fahrt (für 16km) gelangen wir zum Ortseingang von La Campa. Zwar wurde hier eine richtige Strasse, Art „deutscher Nachkriegsautobahn“ gebaut, von irgendwelchen Keramikläden keine Spur.



Der ganze Ort scheint wie ausgestorben. Am Ortsausgang finden wir uns wieder auf der miserablen Naturstrasse. Hier lebt doch jemand und wir fragen nach dem weiteren Weg – immer noch als Hauptstrasse auf unserer Karte eingezeichnet. Man sagt uns sehr freundlich, dass die Strasse hier nicht weiter geht und wir für die Weiterfahrt nach La Esperanza wieder zurück nach Gracias fahren müssen. Auf dem Rückweg finden wir doch noch zwei kleine „Freiluftboutiquen“ mit Tongefässen – schwarz/weisse Keramik haben wir aber keine gesehen. In Gracias finden wir schnell die teilweise gut ausgebaute Strasse, die ist auf unserer Karte als Naturstrasse eingezeichnet. Soviel zu der Genauigkeit der „Honduras International Travel Map“.



Es soll aber noch besser kommen!! In La Esperanza, fragen wir dreimal nach dem Weg nach Marcala. Dreimal wurde uns ganz offensichtlich die falsche Richtung und Strasse angegeben. Wieder befinden wir uns auf einer Naturstrasse, unser Zielort ist aber immer wieder ausgeschildert.



Die Strasse wird zunehmend schlechter und eigentlich hätten wir bald einmal darauf kommen müssen, dass dies wohl kaum die Hauptstrasse ist. Auf unseren Navis ist aber keine andere Strasse aufgeführt und so fahren wir weiter. Jetzt wird Bob und sein Fahrer so richtig gefordert. Es geht hügelauf, hügelab, und wir sind froh, dass es nicht regnet. Die Strasse ist so schon schmierig genug und stellenweise nicht ungefährlich. Auf dieser Schotterstrasse fahren wir etwa 30 Kilometer, brauchen dafür etwa 2 Stunden. Wie aus dem „Nichts“ gelangen wir auf die gut ausgebaute Hauptstrasse. Einerseits sind wir erleichtert, andererseits auch wütend über uns, dass wir so doof sind, die richtige Hauptstrasse in La Esperanza gefunden zu haben.



Marcala, der nächste Ort im Hochland, liegt in einem erstklassigen Kaffeeanbaugebiet. Auf den ersten Blick ist dies nicht ersichtlich, da die Kaffeepflanzen am besten im Schatten von Bäumen gedeihen. Unser Ziel Valle des Angeles verwerfen wir kurzerhand und fahren stattdessen nach Comayagua, Die Stadt war die erste Hauptstadt Honduras und über 300 Jahre lang das religiöse und politische Zentrum des Landes, bis die Hauptstadt 1880 nach Tegucigalpa verlegt wurde. Wir sind von der heutigen Etappe „geschafft“ und finden einen Stellplatz bei der ersten Puma-Tankstelle nach der Ausfahrt der Autobahn in Richtung Stadt. Wir bezahlen 50.- Lempiras für den bewachten Abstellplatz und fühlen uns hier ebenfalls sicher.
Obwohl die Einwohner, die Polizei und das Militär an den diversen Sicherheitsposten sehr freundlich sind, wollen wir baldmöglichst raus aus Honduras.



Auf der meist sehr gut ausgebauten Autobahn fahren wir in Richtung Tegucigalpa mit ca. 1,8 Mio Einwohnern. Wir nehmen aber die Umfahrungsstrasse, welche teilweise einen schönen Blick auf die in einem Tal liegende Stadt bietet.



Zwischen Tegucigalpa und Danli sind die Landschaftsnarben durch Kahlschlag, beziehungsweise rücksichtslose Abholung auffällig. Trotzdem ist die Landschaft abwechslungsreich und die Fahrt nach dem gestrigen Tag sehr erholsam.



Wir erhalten einen Anruf von Michèle. Unsere Familie ist besorgt, da es in Guatemala ein starkes Erdbeben gegeben hat. Wir können alle beruhigen, da wir bereits am nächsten Tag weiter nach Nicaragua fahren. In Danli angelangt, suchen wir einen Stellplatz und beschliessen, neben dem Supermercado La Colonia zu übernachten. Ernest geht zu Fuss in die Stadt und in ein Internetcafé um das neuste Weltgeschehen zu lesen. Die Nacht ist unruhig, da auf der gegenüberliegenden Strassenseite die ganze Nacht Lastwagen rangieren.
Fazit Honduras: Die Landschaften sind schön, die Honduraner nett, aber etwas verschlossen, doch es ist extrem schmutzig und überall liegt Abfall herum – jedenfalls in den Gebieten die wir durchfahren haben. Obwohl wir uns nie unsicher fühlen, irgendwie sind einem immer die jüngsten  Überfälle auf Touristen präsent, von denen wir von unseren Reisebekanntschaften gehört haben. Nach knappen 40 km Fahrt erreichen wir die Grenze Honduras/Nicaragua in Las Manos.



An den vielen am Strassenrand parkierten Lastwagen fahren wir einfach vorbei und werden kurz vor der Grenze zu einem Standplatz eingewiesen. Bereits stehen einige „Helfer“ um unser Fahrzeug. Die wollen alle bei der Grenzabwicklung behilflich sein. Einer mit einer „offiziellen Helferbewilligung“ erwischt und dann doch und um ehrlich zu sein, wir sind froh, dass er uns behilflich ist. Zuerst Personenausreise. Die nette Dame am Schalter wollte uns doch tatsächlich nochmals einen Betrag von US$ 3.- pro Person abknüpfen – ich bin aber lernfähig und erkläre, dass wir das bereits bei der Einreise gemacht haben und die Zahlungsbelege sie doch auf ihrem Pult habe. Mit einem süssen Lächeln teilt sie mir mit, dass sie gemeint hat, wir reisen ein – und drückt dann den Ausreisestempel neben dem Einreisestempel in den Pass. Weiter US$ für die Fahrzeugdesinfektion bezahlen (obwohl diese erst beim Zoll in Nicaragua gemacht wurde). In einem weiteren Büro muss das Fahrzeug ausgeführt/exportiert werden. Auch hier verteile ich wieder grosszügig unsere Kugelschreiber, was das Vorgehen doch um einiges beschleunigt. Teil „Honduras“ abgeschlossen. Nächster Schritt, Haftpflichtversicherung für Nicaragua abschliessen (in Guatemala und Honduras sind wir, wie alle anderen wohl auch – ohne Versicherung herumgefahren).  Kosten US$ 12.- für 30 Tage. Teil zwei Nicaragua, Einreiseformular ausfüllen und Personenimmigration, Kosten US$ 12.- pro Person. Teil drei Nicaragua, Fahrzeug importieren (keine Kopien notwendig – keine Kosten). Teil vier Nicaragua – ein Beamter in blauem Poloshirt kontrolliert Fahrzeug und ausgefülltes Formular. Nimmt gerne unseren Kugelschreiber entgegen und verzichtet auf eine Innenbesichtigung. Teil fünf Nicaragua – Fahrzeugräder desinfizieren – die sind voll ausgerüstet (siehe Bild).



Teil sechs Nicaragua – zum Polizeigrenzer gehen, Papiere zeigen. Und dann…… nach etwa 1 ½ Stunden Einreise nach Nicaragua. Wir kaufen noch schnell eine Nicaraguanische Landkarte (nicht wirklich zu gebrauchen) und fahren auf gut ausgebauter und sehr sauberer Schnellstrasse in Richtung Esteli. Immer noch befinden wir uns im Hochland bei angenehmen kühlen Temperaturen.



Kurz nach Esteli werden wir von der Polizei angehalten und…… siehe Kurzgeschichte – Willkommen in Nicaragua.
Im Laufe des Nachmittages erreichen wir Leon, die ehemalige Hauptstadt von Nicaragua. Nach vergeblichem Versuch, in der Stadt einen Parkplatz zu finden, fahren wir wieder zu der am Stadtrand gelegenen Puma Tankstelle „on the Run“ (ehemals Shell) und parkieren dort auf dem grosszügig angelegten Lastwagenparkplatz. Mit einem Taxi fahren wir in die Stadt und besichtigen mit einem Führer die grossartige Kathedrale von Leon und grösste Kirche Zentralamerikas.



Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1747 und zogen sich über mehr als ein Jahrhundert hin. Wir steigen auf das Dach und befinden uns zuerst im Glockenturm. Der Führer erklärt uns, dass die Glocken aus Holland stammen, erst manuell betrieben wurden und dann automatisch.



Die automatische Anlage sei aber in jüngster Zeit kaputt gegangen und deshalb werden die Glocken wieder von Hand geschlagen. Vom Dach der Kirche geniesst man einen schönen Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Vulkane.



An der Kathedrale wird renoviert und auch der Grand Plaza ist im Umbau. Das Ziel ist, UNESCO Kulturerbe zu werden und die UNESCO macht diverse Vorgaben, damit das, unserer Meinung nach, sehr hochgesteckte Ziel erreicht werden kann.



Im Restaurant ViaVia gibt es feines Nachtessen und später Livemusik. Allerdings spielt die Musik so laut, dass man das eigene Wort nicht versteht und wir verschwinden bald einmal. Wieder beim Bob erwartet uns eine kleine Überraschung. Ganz offensichtlich ist der Pumaparkplatz auch das Hauptarbeitsgebiet leichter Mädchen. Wir zählen etwa 20-30 Damen jeglicher Art, alle haben es lustig miteinander und warten auf Kundschaft – möglicherweise vor allem auf Lastwagenfahrer. Dummerweise stellt sich ein weiterer Lastwagen in unser Blickfeld und somit verpassen wir das weitere Geschehen, visuell auf jeden Fall. Betrieb ist aber die ganze Nacht und mit so richtig entspannt und ruhig schlafen ist nix!
Am Samstag will Ernest noch einen Abstecher an die Pazifikküste machen. Zuerst geht es in Richtung Managua und dann auf der, wie wir später lesen, alten Hauptstrasse bis zur Abzweigung nach Porto Sandino und weiter zum Parque El Velero.



Durch ein bewachtes Gate werden wir eingelassen und fahren zum Strand. Die dazugehörenden Unterkünfte und das Restaurant sehen arg mitgenommen aus und wir können uns kaum vorstellen, dass hier wieder etwas repariert wird.



Der schwarze Sand ist schön anzusehen und die grossen Wellen brechen teilweise bereits weit draussen vor der Küste. Nach einem kurzen Spaziergang entscheiden wir uns für die Weiterfahrt auf der Schotterstrasse nach El Transito und wieder zurück auf die Hauptstrasse. Die Hauptstrasse wollen wir nochmals in Richtung Norden befahren, da wir am Lake Managua entlang fahren möchten. Was wir nicht wissen, ist, dass die alte Hauptstrasse ganz offensichtlich nicht mehr unterhalten wird.



So fahren wir also wieder einmal fast im Schritttempo etwa 20 Kilometer nordwärts, bevor wir, genau bei der Abzweigung nach Porto Sandino, wieder auf wunderbar ausgebaute (alte) Hauptstrasse kommen. Den Angaben auf den Landkarten ist hier in Nicaragua genau so wenig zu trauen wie in Honduras. Einige kurze Blicke erhaschen wir auf den braunen Lake Managua, da wir dank unserer Höhe über die Büsche, welche am Strassenrand gepflanzt sind, hinüber schauen können! Managua lassen wir links liegen und fahren direkt zur Laguna de Apoyo.



Direkt an der Laguna, beim Pajaero Azul finden wir den tollen Campground und geniessen die Ruhe nach den zwei vorhergehenden lärmigen Nächten.
Geweckt werden wir vom Geschrei der Brüllaffen. Nach einem erfrischenden Bad im See fahren wir die kurze Strecke zurück nach Masaya und gehen auf Erkundungstour. Im Viejo Mercado (Mercado Artesania) finden wir einige Weihnachtsgeschenke für unsere Lieben.



Offensichtlich ist hier eine kleine Fiesta im Gange. Ausnehmend hübsche junge Damen und gut gelaunte Herren in hiesigen Trachten lassen sich gerne von Ernest fotografieren.



Der aktive Vulkan Masaya wollen wir auch sehen und im Parque Nacional Volcan Masaya  übernachten. Nach einem Halt im Besucherzentrum mit einer anschaulichen Ausstellung zur Entstehung der Erde und der Vulkane, bekommen wir auch gleich noch Baustellenhelme ausgehändigt.



Mit unserem Bob können wir bis zum Plaza de Oviedo, dem Parkplatz am Kraterrand fahren.



Alle Autos müssen in Fahrtrichtung parkiert werden, damit eine zügige Abfahrt gewährleistet ist, sollte der Vulkan gröberes Zeug spuken.



Soll hie und da vorkommen. Heute raucht er nur und einen Blick in den tiefen Kraterschlund ist verwehrt. Die angepriesenen Nachtouren finden zurzeit auch nicht statt, da zu viel Gase und Rauch abgegeben werden und somit die brodelnde Lava nicht gesehen werden kann.

Kurzgeschichte 19/12 – Welcome to Nicaragua!
Kurz nach Esteli, etwa 80 Kilometer nach dem Grenzübergang Honduras/Nicaragua heult von hinten eine Sirene heran, ein Polizeiauto überholt uns und zwingt uns zum Anhalten mitten auf der Schnellstrasse. Ein Polizist steigt aus dem Fahrzeug und will den Führerausweis, den Versicherungsschein und den Fahrzeugausweis sehen. Ernest steigt aus und zeigt dem lieben Mann die Papiere, welche er gleich an sich nimmt. Ich sehe, dass die beiden Diskutieren, warum es geht weiss ich nicht. Nur, dass der Polizist unsere Origianalpapiere hat gefällt mir gar nicht. Immer wieder wird gesagt, dass man nie die Originaldokumente aus den Händen gibt und was machen wir!! Ich steige aus und erfahre von Ernest, dass er eine Pillone bei einer Polizeikontrolle umgefahren und anscheinend kaputtgefahren hat. Ernest hat wohl bemerkt, dass er die Pillone umgefahren aber sicher nicht kaputt gefahren hat. Wir verstehen, dass wir eine neue Pillone bezahlen müssen – Kostenpunkt umgerechnet CHF 30.-. und mit auf den Posten kommen sollen. Ich mische mich ins Gespräch ein und frage den Polizisten ganz höflich – „darf ich – puedo“ – und entnehme ihm so ganz beiläufig mal den Versicherungsschein und dann noch den Fahrzeugausweis aus der Hand. Jetzt hat er nur noch den Fahrausweis von Ernest und auch den nehme ich ihm aus der Hand. Der Polizist ist irgendwie so perplex, dass ihm eine Frau etwas wegnimmt, dass er sich gar nicht dagegen wehrt. Ich laufe schnell zum Bob und lege die Papiere in die Fahrerkabine. In der Zwischenzeit hat Ernest die Kosten auf CHF 15.- runtergehandelt. Der Polizist nimmt noch kurz Rücksprache mit seinem Kollegen, der immer noch in seinem Auto sitzt und dieser gibt das OK. So sind wir also schon kurz nach der Grenze 300 Cordobas (Währung in Nicaragua) in Form von Schmiergeld los.  


2012                          Nicaragua - Costa Rica                  km
12.11.2012/Mo    Volcano Masaya - Granada26
13.11.2012/DiGranada - San Juan del Sur/La Revolution     116
14.11.2012/MiSan Juan del Sur/La Revolution - Playa el Coco      38
15.11.2012/DoPlaya el Coco/Nicaragua - La Cruz/Costa Rica        77
16.11.2012/FrLa Cruz - Playa Grande (Nicoya)142
17.11.2012/SaPlaya Grande - Playa Samara126
18.11.2012/SoPlaya Samara - Nuevo Arenal/Los Heroes200


Wochenbericht 12.-18.11.2012 / Nicaragua – Costa Rica
Granada liegt am Lago de Nicaragua und wurde im Jahre 1524 gegründet. Die meisten Kolonialbauten sind, wie wir vom Glockenturm der Kirche La Merced aus sehen können, mit Lehmziegeln gedeckt.



Mit einer kleinen Pferdekutsche und „Carmen“ als Kutscherin und Reiseleiterin gehen wir auf eine Rundfahrt.



Carmen erzählt uns einiges über die stillgelegte Eisenbahnlinie, welche einst Granada mit Managua und Leon verbunden hat. Heute stehen noch einige alte Wagons und Lokomotiven herum. Im Fortalzea la Polvora, eine 1749 errichtete Garnison, in der Somozas Schergen politische Gegner folterten und ermordeten, soll ein Museum entstehen.



Die schönsten Gebäude, nebst den weiteren Kathedrale und dem Convente e Iglesia de San Francisco, gehören heute noch den reichen Familien mit politischem Hintergrund, Chamorro und Somoza.



Nach der Rundfahrt gehen wir zu Fuss auf Stadtrundgang und besuchen u.A. den Markt und das Choco-Museum.



Hier wird anschaulich dargestellt, dass bereits die Mayas das köstliche Getränk genossen haben. Auch werden die Gebrüder Nestle aufgeführt, welche die Chokoladenmasse mit Kondensmilch verfeinert haben und so die „Milchschoggi“ erfunden haben sollen. Der hauseigene Chocodrink schmeckt vorzüglich. Im hinteren Teil des kleinen Museums mit Bistro befindet sich das Hotel Spa, eines der besten Häuser in der Stadt mit wundervollem Innengarten und Swimmingpool – eine Oase mitten in der Stadt. Bob haben wir direkt am Central Park abgestellt, in unmittelbarer Nähe der Kathedrale.



Die Stadt ist sehr geschichtsträchtig, ähnelt aber den anderen grösseren Städte wie Leon und Managua – gegründet von Francisco Hernandez de Cordoba, etliche Male geplündert, abgebrannt, wieder aufgebaut usw.



An unserem Bob hängt ein Zettel mit der Aufschrift: Hallo, Wenn Sie einen Fahrer mit Hängematte brauchen, bitte rufen Sie mich an – Uwe Gröne. Er sitzt vor Bob und wartet auf uns. Bei einem interessanten Gespräch erfahren wir von seinen Tätigkeiten als Sozialpädagoge, Soziologe, Hand- und Kopfarbeiter. Er hat viele Jahre auf Togo gelebt und auch ein Buch geschrieben. „Tongan Coffee: eine pädagogische Abhandlung“. Das Buch erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Wiedereingliederung von Sebastian.



Zum Nachtessen gehen wir ins El Zaguan, gleich hinter der Kathedrale. Das Restaurant dürfte zu den Lokalen mit den besten Steaks in Nicaragua gehören. Ernest’s Steak war nicht riesig, aber über einem Holzfeuer gegrillt und butterzart – das beste Fleisch seit langer Zeit.



Heutiges Ziel ist San Juan del Sur, an der Pazifikküste gelegen. Ernest muss mal wieder direkt ins Dorf reinfahren und die Durchfahrt durchs Dorf ist nicht ohne! Überall hängen die Kabel so tief, dass wir einige Male unseren „Besen“ hervor holen müssen, um die Kabel „manuell“ zu erhöhen.  Ernest erledigt dies und lässt mich ans Steuer! Ich fahre wieder zum Dorfausgang und parkiere Bob in einer Nebenstrasse – nochmals durchs Dorf fahren, ohne mich! Bald geniessen wir aber einen Apero und ein kleines Mittagessen in einem Restaurant direkt am Strand. San Juan del Sur bietet nicht wirklich viel, obwohl es als Nicaraguas bedeutendster Strand-Ferienort gepriesen wird. Es ist auch hier keine Saison und die „zahlreichen“ Surfer und Packbackers sind spärlich anzutreffen. Wir wollen weiter an den Strand Madera zu Matilda’s. Auf schlechter Schotterstrasse geht es in Richtung Norden und trotz der bekannten Koordianten fahren wir zwei Mal an die falschen Strände. Beim Strand „Revolution“ passiert es. Ich steige aus und erkundige mich nach dem richtigen Weg und sage Ernest noch ausdrücklich, er soll stehen bleiben und warten. Macht er nicht und bei einem Manöver setzt er prompt Bob in eine kleine stillgelegte Grube.



Er ist über den Betondeckel gefahren, dieser Deckel hat nachgelassen und ist eingebrochen. Dank einigen Armierungseisen ist das linke Vorderrad nicht ganz in der Grube stecken geblieben. Wir haben Glück im Unglück. Zwischen dem grossen Abwassertank und dem noch vorhandenem Abwasserdeckel liegen noch etwa 5mm. Ernest klemmt eines der Sandbleche zwischen das Rad und den Grubenrand und will versuchen selber zurück zu setzen, da alle drei anderen Räder ganz auf dem Boden stehen. Zufällig fährt ein kleiner 4x4 Lastwagen mit Brücke heran und der Chauffeur ist spontan bereit, mithilfe des Abschleppseils Bob, mit eingeschaltetem 4x4 rückwärts rauszuziehen. Es klapp auf Anhieb und nach etwa 15 Minuten steht Bob wieder mit 4 Rädern auf der Erde. Bob hat keinen Schaden davon getragen, alles ist noch ganz. Genug für Heute und so bleiben wir am Strand Revolution und schauen bei einem Drink den Wellenbrettsurfern zu.



Die Wellen sind nicht sehr gross und es scheint, dass die meisten Surfer eher Anfänger sind. Einen weiteren Strand wollen wir besuchen und fahren zurück nach San Juan del Sur und etwa 16 Kilometer weiter südlich zum Playa el Coco, zu Lugs Place.



Lugs ist nicht hier, die kleine Anlage zu. Trotzdem empfängt uns sein Neffe Justin herzlich und wir können bleiben.



Planung „Costa Rica“ ist angesagt und so verbringen wir den Nachmittag mit Lektüre lesen, Pläne schmieden und der Vorbereitung für den morgigen Grenzübergang. Der soll nicht ganz so einfach sein, wir sind aber gut gerüstet und möchten bei dieser Gelegenheit Klaus und Petra, welche wir leider noch nicht getroffen haben, für die Tipps auf deren tollen Webseite (www.abenteuertour.de) herzlich danken, die Angaben sind perfekt und könnten nicht besser sein. Der Strand Playa el Coco ist traumhaft. Nach einem kurzen Spaziergang finden wir eine Bar und geniessen den Sonnenuntergang.
Früh um 07 Uhr geht es weiter und bereits um 09.30 Uhr stehen wir am Zoll von Nicaragua. Den ganzen Ablauf wollen wir Euch ersparen, aber nach 35 Minuten haben wir den Papierkram für die Ausreise inklusive Geld wechseln erledigt. Wir sind zuversichtlich, dass es so weiter geht. Die Einreise nach Costa Rica geht am Anfang sehr schleppend vor sich, da bei der Personenimmigration sehr viele Leute anstehen. Nach einer Stunde sind wir dran und bekommen unseren Stempel im Pass. Jetzt geht es zum Versicherungsbüro. Ohne Fahrzeugversicherung (US$ 17.- für 90 Tage) geht gar nichts. Zurück zur Fahrzeugeinfuhr mit allen notwendigen Kopien und wieder zu einem letzten Büro, wo der ganze Papierkram noch in den Computer eingetippt wird. Auf Fehler auf dem Formular soll sehr geachtet werden und tatsächlich steht als Marke vom Fahrzeug „Volkswagen“, was teilweise richtig ist, da MAN seit einigen Monaten zum VW-Konzern gehört, aber ich will die korrekte Angabe auf dem Formular. So stehen bald einmal einige Beamte um die Dame mit dem Computer und siehe da, MAN wird doch gefunden. Das ganze Einfuhrprozedere dauert etwa 2 ½ Stunden und mit total 3 Stunden sind wir ganz gut dran. Wir haben gehört, dass die meisten für die Aus- und Einfuhr etwa 4 Stunden gebraucht haben.
Auf einer Webseite lesen wir: Keine Fahrt durch Costa Rica wäre perfekt ohne einen Zwischenstopp bei Agi und Guido (Sutter), den Schweizer Auswanderern.



Zirka 10 Kilometer nach der Grenze biegen wir links ab und fahren zur Finca Canas Castilla. Eine traumhafte Finca, direkt an einem kleinen Fluss mit wunderschönem Garten und kleinen Wanderwegen rund um die Anlage.



Hier leben auch zwei Hunde, Schäferhündin Shiva und eine Dogge, Nera. Agi erklärt uns, dass wir nicht im Fluss baden sollen, da auch ein Krokodil darin wohnt, welches zeitweise auch durch die Anlage gewandert ist. Sie hätte auch ein Bild, wo Nera mit dem Krokodil schwimmen war!


Brüllaffe

Bleiben wir oder bleiben wir nicht? Es ist sehr verlockend, noch einen Tag zu bleiben, aber nachdem wir auf der Karte nachgeschaut haben, was wir noch alles in Costa Rica sehen wollen, haben wir uns entschieden weiter zu fahren. Bis Liberia fahren wir auf der Panamericana und weiter geht es in Richtung Pazaifikküste bis zum Playa Grande, etwas nördlich des bekannteren Strandes Tamarindo, auf der Halbinsel Nicoya, gelegen.



Neben dem Hotel Tortuga können wir parkieren und auch für die Nacht stehen bleiben. Auf der Terrasse des Hotels (mit Free WiFi) geniessen wir ein leckeres Mittagessen.



Ich wittere die Möglichkeit, wieder einmal die Campingstühle rauszuholen, an den Strand zu sitzen und zu lesen. Ernest hat kein Sitzleder und fährt mit dem Velo nach Tamarindo Vor etwas mehr als 30 Jahren lebten in Tamarindo rund zwei Dutzend Tico-Familien. Dann wurde der Ort durch den klassischen Surfer-Film „Endless Summer II“ bekannt und entwickelte sich schnell zu einer Art südlichem Kalifornien, wenn auch ohne die dazugehörige Infrastruktur.



Viele US-Amerikaner haben hier ihr Ferienhäuschen und werden „Tamagringos“ genannt. Die Playa Grande, im Parque Nacional Marino Las Baulas de Guanacste gelegen, ist wie viele weitere Strände auf dieser Halbinsel, wichtiger Nistplatz für Wasserschildkröten (baulas-Lederschildkröten). Die Lederschildkröten sind weltweit die grössten Schildkröten und können über 300 kg schwer werden. Auf eine Nachttour verzichten wir – zwei Touristen weniger, welche die Schildkröten bei der Eiablage stören. Bild unten: nicht sf!!



Durch hügeliges Gebiet geht es zurück nach Belen, weiter südwärts nach Nicoya und wieder in Richtung Meer nach Samara. Der halbmondförmige hellgraue Sandstrand von Samara ist einer der beliebtesten in Costa Rica. Er ist sicher, ruhig und in vernünftigem Masse erschlossen. Nach einem „Apéro“ im El Gusto am Strand fahren wir noch zum Strand Carrillo.



Ein weiterer traumhafter Strand in einer grossen Bucht gelegen. Wiederum packen wir unsere Stühle raus, geniessen ein Bad im Pazifik und schauen den Surfern zu, welche sich in den recht hohen Wellen tummeln. Im Parkplatz vom Hotel Casa Mia in Samara dürfen wir Bob abstellen. Die Einfahrt ist recht eng und die Kabel hängen wieder einmal so tief, dass ich diese mit unserem „Besen“ heben muss. Am Strand und im Wasser spielen Kinder, Erwachsene, Hunde und man könnte auch auf Pferden den Strand entlang reiten.



Ein feines Nachtessen am Strand unter beleuchteten Palmen lässt es uns gut gehen. Die Rechnung kommt, alles ok – ausser… (siehe Kurzgeschichte).
Frühzeitig brechen wir auf, da wir es bis zum Volcan Tenorio schaffen möchten. Rauf und runter bis nach Nicoya und auf der 18 zum Golfo de Nicoya. Den Tempisque River, welcher am nördlichsten Teil in den Golf fliesst, überspannt eine riesige, moderne Brücke.



Auf dem Weg nach Canas hupt es von hinten und ein Mack-Lastwagen überholt uns. Er gibt uns zu verstehen, dass wir anhalten sollen. Da er vor uns auf der Fahrspur anhält, tun wir dies (gezwungenermassen)  auch. Der Fahrer kommt zu uns, Ernest öffnet das Fenster sicherheitshalber nur einen Spalt. Der Fahrer ist aber sehr vertrauenswürdig und während des Gespräches verstehen wir, dass er gerne unsere Anhängerkupplung kaufen möchte, da es so etwas in Costa Rica nicht zu kaufen gibt. Leider geht das nicht, wer weiss, für was wir diese Anhängerkupplung noch (wieder!) brauchen. Ab Canas geht es stetig aufwärts und wir fahren wieder in das Cordillerengebirge, diesmal in die Cordillera de Tilaran. Bald sehen wir die Laguna de Arenal, ein Stausee mitten im Gebirge. Wir möchten den Volcan Tenorio sehen, welcher sich am Nordrand der Laguna befindet und nehmen eine Stichstrasse, sprich Schotterstrasse zum Lago de Cote. Leider versteckt sich der Vulkan in den Wolken und wir können nur erahnen wie er aussieht. Auf immer enger werdender Strasse geht es zurück zum Arenal See. Kurz nach Nuevo Arenal erblicken wir auf der linken Seite ein Schweizer Chalet und eine Schweizer Flagge.



Zuerst fahren wir vorbei, wenden dann aber und fahren zurück zum Hotel „Los Heroes“. Wie wir erfahren, ist Franz Ulrich vor vielen Jahren nach Costa Rica ausgewandert und hat sich das ganze Refugium selber, d.h. zusammen mit seiner Frau Silena, erschaffen. Nebst dem Hotel gibt es weitere Chalets, eine Kapelle, eine Eisenbahn, welche in die Hügel hinauf fährt und oben ein Drehrestaurant à la Schilthorn. Natürlich dürfen auf den Weiden die Kühe nicht fehlen. Wir kommen im Restaurant ins Gespräch mit Hugo und Daniela aus Luzern (Nachbarn von Andrea Vogel) und mit Lidia und Walter aus Eglisau. So ergibt es sich, dass wir auf dem Parkplatz des Hotels bleiben und die Nacht hier verbringen – ohne nicht vorher ein währschaftes  Schweizer Menu gegessen zu haben.

Kurzgeschichte 20/12 – Service = Service / Propino = Trinkgeld
Ein feines Nachtessen am Strand von Samara unter beleuchteten Palmen, wir lassen es uns gut gehen. Die Rechnung kommt, alles ok – ausser… Auf der Rechnung steht von Hand geschrieben „Tip not included“, obwohl Taxen und „Service“  (Total etwa 23%) auf der Rechnung aufgeführt sind. Ernest fühlt sich wieder einmal „geprellt“ und ist der Meinung, dass Service und Tip dasselbe sind.  Ihn „sticht der Hafer“, denn „über den Tisch ziehen“ lässt er sich nicht. Er diskutiert mit der Serviertochter (aus Italien) und  diese erklärt ihm, dass der Service unter dem ganzen Personal aufgeteilt wird (von Gesetzes wegen) und Tip eben Trinkgeld (nur für sie selber) ist. Ernest kann das nicht akzeptieren und verlangt nach dem Chef. Das ist mir nun zu peinlich und ich verstehe nicht, dass man wegen ein paar Franken so kleinlich sein kann. So entferne ich mich vom Geschehen und  -  der schöne Abend ist gelaufen – schade……..


2012Costa Rica                            km
19.11.2012/Mo           Nuevo Arenal - Fortuna/Los Lagos                 30
20.11.2012/DiFortuna/Los Lagos - Poasitos/Vulcano Poas                 128
21.11.2012/MiPoasitos - Cahuita
22.11.2012/DoCahuita0
23.11.2012/FrCahuita - Orosi
24.11.2012/SaOrosi0
25.11.2012/SoOrosi0

Wochenbericht 19.-25.11.2012 / Costa Rica
Zusammen mit Lidia und Walter fahren wir dem See entlang zu den Arenal Hanging Bridges. Durch das 250 Hektar grosse Regenwaldgebiet führt ein gut 2,5 km langer Rundweg mit zahlreichen Hängebrücken, die Längste 98 Meter lang und die höchste etwa 50 m über Boden.



Leider tummeln sich bereits früh am Morgen zahlreiche Touristen auf den Wegen und die Vogelstimmen und die vielen weiteren Tierlaute sind schwer auszumachen.



Auf dem Weg sehen wir lediglich eine kleine Schlange und hoch oben in den Baumwipfeln soll ein Brüllaffe sitzen! Trotzdem, der Rundgang hat sich gelohnt und wenn nicht die Fauna, so war die Flora einzigartig.



Zudem erhaschen wir zwischendurch tatsächliche einige Blicke auf den nahegelegenen Vulcan Arenal, der sich in seiner ganzen Grösse zeigt. Ernest besorgt einen Kaffee und setzt sich auf der Terrasse an den Tisch. Da kommt  ein Papagei angerauscht und klaut Ernest von der Untertasse beide Zuckerpäckli. 



Der Vogel setzt sich gemütlich auf das Geländer, öffnet ganz vorsichtig ein Päckli und schleckt den Zucker mit der Zunge raus. Das zweite Päckli hält er sicherheitshalber in der anderen Kralle, bevor er auch dieses in stoischer Ruhe ausschleckt. Während der Weiterfahrt können wir immer wieder den immer noch aktiven und Feuer speienden Vulkan (natürlich nicht während unseres Aufenthaltes!) sehen. In dieser Gegend gibt es zahlreiche Thermalquellen. Lidia und Walter haben uns die Quellen des Hotels Los Logartos empfohlen. Wir fahren auf den Hotelparkplatz und kaufen uns an der Reception eine Eintrittskarte zu den Quellen (US$ 15.- p.P.).



Wir dürfen auch die Nacht hier stehen bleiben (kostenlos). Bevor wir uns in den diversen Pools gemütlich tun, erkunden wir noch den zum Hotel gehörenden Park mit Schmetterlingen, Fröschen, zahlreichen tropischen Pflanzen und Krokodilen.



An der „Poolbar“ gibt’s Fruitpunch und für Ernest Cerveza(s). Im Hotelrestaurant bekommen wir das beste Essen überhaupt auf dieser Reisetappe. In der Nacht fängt es an zu Regnen und zwar recht heftig.
Bei regnerischem Wetter fahren wir die kurze Strecke nach Fortuna und erledigen nach langer Zeit wieder einmal unsere Wäsche. Während der Weiterfahrt in Richtung Karibikküste kommt der Gedanke auf, doch noch den aktiven Vulkan Poas zu besichtigen. Hinauf geht es auf immer steiler werden Strasse von San Miguel in Richtung Parque National Volcan Poas. Es regnet stark und überall von den Hängen rauscht Wasser herab.



Die Strasse ist grösstenteils neu, trotzdem bricht da und dort schon wieder ein Teil aus. Es fängt nun auf der Höhe von etwa 2000 m auch an kräftig zu winden. Manchmal hat man das Gefühl sich in der „Arktis“ zu befinden – heulender Wind, starker Regen der seitlich daher kommt, nur die Temperatur ist erst auf ca. 13 ° gesunken. Nach dem kleinen Ort Paositos sind es noch 10 km zum Parkeingang. Obwohl es neblig und windig ist, haben wir das Gefühl, dass es noch aufklären könnte. Beim Parkeingang angelangt, erklärt uns ein freundlicher Ranger, dass wir doch den Besuch allenfalls auf den Folgetag verschieben sollen – es sei nichts, aber auch gar nichts zu sehen und die Eintrittsgebühr von US$ 10.- p.P. und US$ 3.- für das Fahrzeug sei es heute auf keinen Fall wert. Wir danken bestens für seine Ehrlichkeit und fahren die 10 km zurück nach Paositas.



Neben dem Restaurant El Sabor de la Montanga dürfen wir parkieren und nach dem Nachtessen im Restaurant auch für die Nacht bleiben. Telefonisch nehmen wir noch Kontakt auf mit Barbara Hartung, welche Führungen durch den Parque Nacitonal Tortugero anbietet. Sie teilt uns mit, dass der Park möglicherweise wegen der starken Regenfälle überschwemmt wird und in den nächsten Tagen nicht damit gerechnet werden kann, dass sich das Wetter bessert. Wie es weiter geht, sehen wir morgen. Es schüttet und windet die ganze Nacht weiter.
Der heftige Regen weckt uns auf und auch die Sicht ist nicht besser geworden. So beschliessen wir nicht nochmals zum Vulkan zu fahren. Schade, dass es das Wetter nicht sehr gut meint mit uns. Eigentlich ist der Vulkan Poas (2704 m) ein aktiver Vulkan und man könnte, ohne ihn besteigen zu müssen, in den dampfenden, fauchenden Kessel sehen. Wir beschliessen, weiter in Richtung Karibikküste zu fahren. Zuerst fahren wir durch viele, sehr schön angelegte Kaffeeplantagen und nette kleine Dörfer, immer mit einem Blick hinunter in die Ebene nach San Jose, der Hauptstadt des Landes.



Diese um- und durchfahren wir (natürlich nicht, ohne uns etwas verfahren zu haben, was Ernest wieder einmal etwas stresst). Nördlich der Stadt Cartago befindet sich der wohl bekannteste, aktive und höchste Vulkan (3432) des Landes, der Irazu. Aber auch der ist in dicke Wolken gehüllt und wir können keinen Blick von ihm erhaschen. Der letzte grössere Ausbruch fand am 19. März 1963 statt, als der Vulkan während des Staatsbesuchs des US-Präsidenten John F. Kennedy eine Decke aus heisser Vulkanasche über fast da gesamte Valle Central breitete. Seither hat sich die Aktivität auf ein paar zischende Fumarolen und gelegentliche Erderschütterungen beschränkt. Zwar regnet es nicht mehr ununterbrochen, aber immer wieder. Es wird wieder sehr hügelig und die Strasse führt durch weitere Kaffee- und Zuckerrohrplantagen. Die Lesezeit der Kaffeebohne ist im Gange und immer wieder sehen wir wie Arbeiter in Lastwagen zu den Plantagen gefahren werden.



Pollo Asado – Ernest hat, wie wir ja bereits wissen, einen Blick und die Nase dafür – ist unser Mittagessen in einer typischen „Landbeiz“, wo auch Arbeiter ihre Mittagsmahlzeit einnehmen. Erst in Siquirres gelangen wir in die Ebene und hier sind gut sichtbar die grossen Bananenplantagen angesiedelt.



Da sich das Wetter immer noch nicht gebessert hat, beschliessen wir, vorerst einmal in den Süden zu fahren und die Fahrt in den Nationalpark Tortugero auf später (wenn überhaupt) zu verschieben. Limon ist fest in der Hand der Bananenindustrie – Del Monte und Chiquita. Ganze Areale von Containern und zahlreiche am Strassenrand stehende Lastwagen warten auf das Verladen des kostbaren Gutes, welches Costa Rica zur führenden Bananenexportindustrie gemacht hat. Die Bananen werden nicht nur auf dem Landweg weggebracht, im Hafen von Limon werden die Früchte auf grosse Containerschiffe verfrachtet und in die weite Welt exportiert. Der Küste folgend fahren wir bis Cahuita und stellen unseren Bob mitten im kleinen Dorf ab.



Obwohl sich der Tourismus an der Südküste Costa Ricas stark ausgebreitet hat, herrscht in Cahuita immer noch ein entspanntes karbisches Flair. Die Strassen sind unbefestigte Pisten und viele der alten Häuser stehen auf Stelzen. Cahuita ist eine stolze „Stadt“. Sie rühmt sich, die Heimat der ersten afrokaribischen Dauersiedlers in der Gegend gewesen zu sein, eines Schildkrötenjägers namens William Smith, der 1828 mit seiner Familie nach Punta Cahuita kam. Während eines Spazierganges durch den Ort setzt wieder starker Regen ein. Nach einem Drink in einer Bar verkrümeln wir uns in Bob und geniessen das prasseln des Regens auf das Autodach.
Die ganze Nacht schüttet es. Am Morgen zwar kein Sonnenschein aber keine Schauer mehr.



Mit dem Führer „Juan“ unternehmen wir eine Wanderung durch den, gleich hinter dem Dorf liegenden, Park bis nach Punta Cahuita. Der kleine, aber schöne Parque National gehört zu den meistbesuchten Nationalparks des Landes. Die Feuchtigkeit sorgt für ein dichtes tropisches Blätterdach aus Kokospalmen, Mangobäumen und Seetrauben. Auf dem 7 km langen Weg sehen wir zahlreiche kleinere Schlangen. Gelbe, giftige Vipern und andere ungiftige, zierliche grüne Schlangen. Spinnen, Tausendfüssler (hier heissen sie Hundertfüssler), Schmetterlinge und Krebse sind ebenfalls zu sehen. Diverse Faultiere – mit zwei Finger und eine andere Art mit drei Finger – hängen faul im Geäst. Hie und da erspähen wir einige Brüllaffen und sehen auch noch einen Weisskopfaffe/Kapuzineraffe, der eine Kokosnuss aus der Hand von Juan holt. Gegen Abend fängt es wieder an zu Regnen – Zeit und Gelegenheit Tagebuch zu schreiben.
Gemäss Wetterbericht soll das Wetter in den nächsten Tagen nicht besser werden und so beschliessen wir, wieder Richtung Pazifik zu fahren. Vorerst besuchen wir noch das „Jaguar Animal Rescue Center“ bei Uva/Porto Viejo. Ein Volontär zeigt uns zuerst allerlei Schlangen, mit Ausnahme der Boa, welche als Haustier gehalten und ins Center gebracht wurde, alles Arten, welche im Dschungel von Costa Rica heimisch sind. Alle Schlangen sind in Terrarien untergebracht. Er versichert immer wieder, dass Schlangen grundsätzlich nicht gefährlich sind, ausser sie fühlen sich bedroht oder man tritt aus Versehen auf sie. Ehrlich, ich weiss nicht, ob ich noch eine Dschungelwanderung machen werde – ich habe Angst vor Schlangen. In einer anderen Ecke ist einiges an Gefieder zu sehen. Diverse Falken, welche Flügel gebrochen haben, sich an den Beinen verletzt haben usw.



Eine Eule spaziert auf dem Dach herum und Alex der Volontär erklärt, dass sie an gebrochenem Herzen leidet – ihr Partner wurde vor kurzer Zeit von einer Wildkatze (aus dieser Auffangstation!) gefressen. Diese Spezie von Eule lebt eine Partnerschaft fürs Leben und wird wohl nie mehr glücklich werden. Ein wunderschöner Tukan wird mit Spezialfutter gefüttert, er ist in eine Glasscheibe geflogen und hat einen Teil seines Schnabels verloren. Weissschwanzrehe werden hier ebenfalls aufgepäppelt. Leider werden diese Tiere stark gejagt und sind hier in Costa Rica vom  Aussterben bedroht.  In einem speziellen Gehege kümmern sich weitere Volontäre um junge Brüllaffenwaisen und ein überaktiver Spidermonkey ärgert seine Zeitgenossen.



Natürlich fehlen auch Faultierwaisen nicht.



Ein vier Monate alter Ozelot wird gerade von einer Volontärin gefüttert. Man versucht ihm beizubringen, sein Futter vom Baum zu holen, d.h. es soll klettern lernen.
Auf dem Weg von Limon nach Siquires fahren  wir am ersten ernsthaften Unfall während dieser Reiseetappe vorbei.



Ein Laster liegt im Strassenrand, ausgebrannt und Spezialeinheiten versuchen einige riesige Bäume von der Strasse mittels grossen Motorsägen zu entfernen. Die Fahrt durch die Cordilleren gestaltet sich wieder sehr mühsam, da extrem viel Verkehr herrscht und es sehr dichten Nebel hat und auch immer wieder stark regnet. In Orsoi, kurz vor Cartago finden wir die empfohlene Panaderia Suiza von Fränzi Imfeld-Mosimann. Wir bekommen einen Stellplatz bei ihren Freunden in der Stadt für die erste Nacht und werden morgen in das Areal von Fränzi und Fredy „umziehen“. Ein kleiner Spaziergang durch den Ort, umgeben von Kaffeeplantagen auf den umliegenden Hügeln und ein Nachtessen im Restaurant Coto beenden den Tag.
In der Panaderia Suiza gibt es ein feines Frühstück. Frischgebackenes Brot und ausgezeichnete Brötchen mit acht verschiedenen Konfitüren, alles aus Fränzis Laden. Sie hat einen Arbeitstag von 15 Stunden, da sie bereits um etwa 1 Uhr in der Nacht in der Backstube steht und allerlei Leckeres zubereitet.



Die ersten Kunden kommen bereits um 5 Uhr am Morgen, bevor sie mit dem Bus zur Arbeit in die Städte Cartago oder San Jose fahren. Fredy ist zurzeit mit einer Schweizer Gruppe im Bus als Reiseleiter unterwegs. Ansonsten betreibt er einen Motorradverleih (Yamaha) oder begleitet Kunden mit den Motorrädern durch Costa Rica - www.costarica-moto.com. Auf dem privaten Areal von Fränzi und Fredy können wir parkieren. Ernest geht mit Fred, einem Freund des Hauses, ins Dorf und besorgt Bretter, Leisten, Winkeleisen und Schrauben. Er will die Dachlucke absichern für die Überfahrt von Panama nach Kolumbien im Februar. Freundlicherweise darf Ernest die Werkbank mit Stichsäge, Bohrer usw. von Fredy benutzen. Bei der Arbeit hilft ihm Fred. Zu Imfelds-Mosimanns gehören vier Hunde und zwei Katzen.



Die kleine Katze, etwa 4 Wochen alt, wurde vor zwei Wochen von Fränzi in einem Abfallcontainer gefunden und „Floh“ ist nun das jüngste „Familienmitglied“. Auf dem Grundstück der Panaderia Suiza füttert Fränzi täglich einige Strassenhunde – Fränzi hat ein grosses Herz für Tiere. Am späteren Nachmittag erzählt Fränzi aus ihrem Leben und wie sie nach Orsoi gekommen sind und kocht für uns ein feines Nachtessen. Um 20 Uhr ist Nachtruhe, Fränzi muss auch am Sonntag wieder früh raus.
Auch heute Sonntag nieselt es und das ganze Tal ist wolkenverhangen. Die Temperaturen steigen auch nicht über 16 Grad.  Nochmals ein Tag zur Verfügung für diverse Arbeiten an und in Bob.

Kurz(Lang)geschichte 21/12 – Die Banane, wieder einmal ein wenig Geschichte (Autorin Gabriele Töpferwein-Online Magazin: Quezal, Politik und Kultur Lateinamerikas)
Andy Warhol hat sie zum Kunstwerk gemacht, Musiker haben sie besungen, Republiken werden nach ihr benannt, und sie muss für so manchen schlichten Scherz über die Ostdeutschen herhalten – die Banane.
Das Schälen zeichnet die Banane aus: Sie muss nicht abgewaschen werden, ist beim Transport immer gut verpackt und man kann sie ganz leicht von der ungenießbaren Schale befreien. Zudem schmeckt sie auch gut: das Fruchtfleisch nicht zu hart – also auch für Maulfaule leicht zu kauen – und nicht zu süß. Inhalt und Form bilden eine kongeniale Einheit. Fürwahr ein Meisterstück des Designs! Neben der Form vermag auch der Inhalt zu überzeugen: Die Banane enthält reichlich Vitamine und Mineralstoffe. Und entgegen anders lautenden Gerüchten macht sie nicht dick. Was will man mehr?
Die Banane, die wirtschaftlich bedeutendste Frucht überhaupt. Um die 19 kg Bananen konsumiert ein Durchschnittsdeutscher pro Jahr. Damit sind die Deutschen Bananenweltmeister, so viele Bananen wie sie konsumiert keine andere Nation. Das, so muss hier einschränkend festgehalten werden, stimmt jedoch allein für die gelbe, krumme Frucht, die wir hierzulande allgemein als Banane bezeichnen. Der Fachmann nennt das Dessertbanane. Anderswo kennt man auch andere Sorten, wie z.B. die Kochbanane, die bei uns nicht besonders verbreitet ist. In zahlreichen Ländern Afrikas ist diese ein Grundnahrungsmittel. Mit anderen Worten: Dort werden viel mehr Bananen gegessen als in Deutschland. Da aber Länder wie Uganda nur für den Eigenbedarf produzieren, sind sie für hiesige Statistiken uninteressant. Also, noch einmal zum Mitschreiben: Die wahren Weltmeister im Bananenkonsum leben ganz woanders.
Musa ist botanisch gesehen eigentlich eine Beere, auch wenn sie für uns nicht so aussieht. Ihren Ursprung hat sie in Südostasien, wo sie vermutlich bereits 5.000 Jahre v.u.Z. kultiviert wurde. Vor 2.000 Jahren (manche gehen noch einmal 2.000 Jahre zurück) kam die Banane nach Afrika. Im 6./ 7. Jahrhundert u.Z. könnte die gelbe Frucht dann bereits in Arabien angekommen sein, zumindest glaubt man, dass der Religionsgründer Mohammed sie bereits kannte. Aus dem 10. Jahrhundert existieren dann bereits Belege für die Existenz der Banane in Texten aus Ägypten und Palästina. Mit den Arabern kam sie nach Europa, um genau zu sein, nach Spanien – das seinerzeit maurisch war. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erreichte die Banane schließlich Amerika, ein Dominikanermönch soll sie 1516 nach Mittelamerika gebracht haben.
Den Arabern hat die gelbe Köstliche übrigens ihren Namen zu verdanken. Ja gut, es gibt auch eine andere Theorie, wonach das Wort Banane ursprünglich aus einer westafrikanischen Bantu-Sprache, dem Wolof, stammt. Die Experten streiten sich da noch. Mir persönlich ist die arabische Version sympathischer: banan (arab.) heißt auf Deutsch schlicht und einfach Finger. Und das ist nun wirklich ein treffender Name. Eine Bananenpflanze, Staude genannt, besteht aus mehreren Händen, die ihrerseits 10 bis 20 Finger, also Bananen, haben. Die Pflanze selbst kann sechs bis elf Meter Höhe erreichen, und sie ist in ihrer Kulturform ein absolut ungeschlechtliches Wesen. Eine vom Menschen kultivierte Bananenstaude (nicht die Wildform!) hat keine Samen – also klont sie sich ständig selbst. Der Stamm, der eigentlich ein Scheinstamm ist (aber lassen wir das), trägt nur ein einziges Mal und bildet dann selbst neue Schösslinge aus. Nach der Ernte wird der Stamm abgeschlagen, und die Schösslinge werden kultiviert. Und immer so fort.
Diese Form der Fortpflanzung hat Vor- und Nachteile für die Nutzung der Pflanze. Da die Staude sich selbst vervielfältigt, muss sich der Mensch nicht um ihre Vermehrung kümmern. Ständiges Klonen bedeutet aber auch genetischen Stillstand. Und wenn sich Pflanzen mehr als 100 Jahre nicht genetisch verändern, nicht auf veränderte Bedingungen reagieren müssen (und können), dann sind sie über kurz oder lang ein gefundenes Fressen für allerlei Schädlinge. Vor 50 Jahren bekamen das die Bananenpflanzer in Mittelamerika zu spüren, als sich die Fusarium-Welke, die so genannte Panama-Krankheit, über die damalige Einheitsbanane Gros Michel hermachte und den Bestand fast völlig vernichtete. Als Ersatz wurde Cavendish gezüchtet, die heute in Mittel- und Südamerika die Rolle der Einheitsbanane übernommen hat und ebenfalls als Monokultur gedeiht. Aber auch sie weckte mittlerweile Begehrlichkeiten: Black Sigatoka, ein Pilz, bedroht Cavendish heute ebenso wie die Panama-Krankheit einst Gros Michel. Experten gehen davon aus, dass es spätestens in zwei Jahrzehnten auch mit dieser Banane vorbei sein wird – wenn die Produzenten keine wirksamen Abwehrmaßnahmen gegen den Pilz finden. Zur Zeit versucht man noch, der Schwarzen Bananen-Pest mit Pestiziden Herr zu werden, ob es langfristig hilft, ist fraglich. Bis zu 30% der Ausgaben der Bananenkonzerne entfallen inzwischen auf die chemische Keule, deren Einsatz kaum noch ausgeweitet werden kann. Und trotzdem – in manchen Regionen vernichtet Black Sigatoka 50 bis 80% der Ernte.
Nun gut, ich weiß nicht, ob der Verlust von Cavendish für den Verbraucher wirklich eine Katastrophe wäre. Diese genormte, makellose Einheitsbanane, mindestens 14 cm lang und 2,7 cm im Durchmesser, schmeckt doch irgendwie fade. Ich habe einmal in einem Film gesehen, dass Arbeiter auf den Bananenplantagen Mittelamerikas hinter ihrer Hütte selbst einige Bananenpflanzen anbauen. Sie würden nie auf die Idee kommen, das Zeug von der Plantage zu essen – das schmeckt ihnen einfach nicht. Und sie haben Recht. Die deutlich kleineren, nicht makellosen, für den Eigenbedarf angebauten Bananen sind einfach köstlich.
Von den eher kleinen feigenähnlichen Wildfrüchten bis zu den hochgezüchteten Bananen, die in unseren Supermärkten landen, war es ein weiter Weg. Kommerzielle Bananenprduktion im großen Stil gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst erfolgte ein umfangreicherer Anbau vor allem zur billigen Versorgung der Arbeiter beim Bau der ersten Eisenbahn in Costa Rica. Doch sehr bald brachte der Verkauf der Bananen den US-amerikanischen Erbauern der Bahn mehr Gewinn als die Bahn selbst, so dass diese ins Fruchtgeschäft einstiegen. 1899 taten sich Minor C. Keith (der von der Bahn) und sein Konkurrent Lorenzo Dow Baker (von der Boston Fruit Company) zusammen und gründeten die United Fruit Company. Doch erst als 1903 der erste Bananendampfer mit Kühlmöglichkeit in See stach, stand der weltweiten Ausbreitung der leicht verderblichen gelben Frucht nichts mehr im Wege. Riesige Plantagen entstanden, auf denen in Monokultur Bananen ausschließlich für den Export angebaut wurden. Die Folgen von Monokulturen auf die Umwelt und die Entwicklung der betroffenen Länder sind bekannt und müssen hier nicht referiert werden. Ebenso aktenkundig ist der Einfluss des Bananenkonzerns United Fruit auf die politische Situation der Staaten Mittel- und Südamerikas. In den Erzeugerländern übernahm die Company faktisch die Macht. Sie beherrschte das Transportwesen, die Post, die Telekommunikation – alles Dinge, die man braucht, um ein Bananenimperium zu leiten – und ein Land zu kontrollieren. Alles, was dem Profit im Wege stehen könnte, wurde unterdrückt, vertrieben, ausgemerzt. Das Massaker unter streikenden Bananenarbeitern im kolumbianischen Ciénaga 1928 hat Gabriel García Márquez in seinem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ literarisch verarbeitet. Die United Fruit hatte natürlich nicht selbst Hand angelegt, die von der Company abhängige Regierung schickte ihren General Carlos Cortés Vargas.
Und als Guatemalas Präsident Jacobo Árbenz Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts im Zuge einer Landreform begann, unbebautes Land zu enteignen und an arme Bauern zu verteilen, holte man sich die Hilfe der CIA, um die „kommunistische Bedrohung“ zu beseitigen. Àrbenz wurde gestürzt und Guatemala unter verschiedenen Diktatoren wieder ein willfähriges Land. Es waren die Bananenkonzerne, neben United Fruit, das sich heute Chiquita nennt, auch United Brand, die die mittelamerikanischen Länder beherrschten. Die Bezeichnung „Bananenrepublik“ steht bis heute als Synonym für ein korruptes, abhängiges Regime.
Bis nach Deutschland schaffte es die United Fruit zunächst nicht so richtig. Dort wurden vor allem Bananen aus Kamerun verkauft, das bis 1919 deutsche Kolonie war. Doch auch nach dem 1. Weltkrieg sicherte die Afrikanische Frucht-Compagnie die Lieferung der „deutschen Banane“. 1957 hatte Kanzler Adenauer bei der Gründung der EWG durchgesetzt, dass Deutschland – und nur Deutschland – zollfrei amerikanische Bananen (Dollarbananen) einführen darf. Die Frucht sollte billig und für jeden erschwinglich sein. Die Banane als Freiheits- und Wohlstandshoffnung der Deutschen, die Geschichte wiederholt sich irgendwie doch. Mit diesem deutschen Bananenprivileg ist es allerdings inzwischen auch weitgehend vorbei, nachdem die EU-Bananenverordnung von 1993 die allgemeine Zollfreiheit der Dollarbananen für Deutschland abschaffte. Die EU wollte die eigenen Bananenproduzenten schützen und erlaubte den Produzenten auf Dollarbasis, also im wesentlichen Lateinamerika, nur bestimmte Quoten zu günstigen Zöllen nach Europa zu exportieren. Der „Bananenkrieg“ um die Folgen dieser Richtlinien ist zwar offiziell beendet, aber die Auseinandersetzungen sind noch nicht ausgestanden. Mit weiteren Veränderungen muss also gerechnet werden.
Vorerst hat die EU erst einmal ihre Vorschriften über die zulässige Größe und Krümmung der Banane aufgehoben, jetzt dürfen auch kleinere Bananen nach Europa einreisen. Die Produzenten dürfte es freuen, und die Verbraucher wohl ebenfalls. Die kleineren Bananenproduzenten scheren sich nicht um das (gewesene) europäische Gardemaß, zumal sie nicht selten Sorten anbauen, die per se kleiner sind als Cavendish, in einigen Enklaven wird sogar Gros Michel wieder angebaut. Andernorts kultiviert man Sorten, die gegen Sigatoka resistent sind. Inzwischen sind die Großen auf die kleinen Produzenten aufmerksam geworden. Deren Konzept verspricht Erfolg und könnte die Zukunft der gelben Krummen sichern. Aber, was heißt hier gelbe Krumme? Es gibt sehr viele Bananensorten, von Cavendish und Co. in Form und Farbe deutlich verschieden. Hoffen wir also, dass die Bananenmultis sich nicht auch dieser „Exoten“ bemächtigen und in altbewährter Manier daraus Einheitsbananen machen. Warten wir‘s ab. Vielleicht ist der Bananenmarkt der Zukunft wirklich bunt.